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25. Juli 2014 20:11 Uhr

Trauer

Fall Armani: Ein solches Verbrechen gab es in Freiburg noch nie

Niemand kann sich erinnern, dass in Freiburg jemals ein Kind ermordet wurde – bis zu dieser Woche. Nach dem Tod des achtjährigen Armani steht die Stadt unter Schock, die Trauer ist gewaltig.

  1. Nicht nur seine Familie und Freunde denken dieser Tage an Armani, sondern viele, viele Menschen in Freiburg und der ganzen Region. Foto: Polizei

  2. Die Anteilnahme ist groß: Blumen, Kerzen und Kuscheltiere am Mühlbach, in dem der achtjährige Armani tot aufgefunden wurde. Foto: dpa

Justizminister Rainer Stickelberger legte bei seinem Freiburgbesuch eine Gedenkminute für den getöteten Jungen ein. "Wir fühlen mit allen, die von diesem schrecklichen Verbrechen betroffen sind", sagte der Justizminister des Landes, der zur Amtseinführung von Dieter Inhofer als neuer Leiter der Freiburger Staatsanwaltschaft gekommen war.

"Es ist schwer, eine Rede zu halten, wenn die Stimmung so gelähmt ist in dieser heiteren Stadt", meinte Stickelberger am Freitag. Am Vormittag war der getötete Junge auf dem Friedhof im Stadtteil Haslach beigesetzt worden. Etwa 600 Angehörige und Trauergäste hatten sich in und vor der Einsegnungshalle versammelt. Die Beisetzung fand unter Wahrung der Privatsphäre statt, Polizei war vor Ort.

"So ein Delikt hatten wir in Freiburg noch nicht." Polizeisprecher Klose
Der Junge war am Sonntag spurlos von einem Spielplatz in Brühl-Beurbarung verschwunden und am Montagmorgen tot im Betzenhausener Mühlbach gefunden worden. Er wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. "So ein Delikt hatten wir in Freiburg noch nicht", sagte Polizeisprecher Dirk Klose auf Anfrage. 20 Jahre sind seine Kollegen im Polizeiarchiv zurückgegangen, altgediente Kriminalbeamte können sich auch an keinen weiteren, älteren Fall erinnern. In den 90er-Jahren gab es einen versuchten Mord: Ein Jugendlicher wollte ein verwandtes Kind töten. Das Kind hat überlebt.

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In Baden-Württemberg wurden in den vergangenen fünf Jahren nach Angaben des Innenministeriums jedes Jahr 26 bis 28 Kinder unter 14 Jahren getötet oder versucht zu töten. Wie ein Ministeriumssprecher erklärte, handelte es sich dabei auch um Fälle von fahrlässiger Tötung. Meistens fasst die Polizei die Täter: Die Aufklärungsrate von Tötungsdelikten liegt bei Kindern wie bei Erwachsenen bei über 90 Prozent, sagte der Ministeriumssprecher.

Beim Trauermarsch werden die beiden Stadtdekane beten

Die Freiburger Sonderkommission nimmt im Fall Armani eine starke Betroffenheit weit über die Grenzen der Stadt hinaus wahr. "Die Resonanz aus der Bevölkerung ist anhaltend", sagte Laura Riske vom Polizeipräsidium. Inzwischen gehen die Ermittler 180 Hinweisen nach. Doch keiner davon hat sie bisher zum Täter geführt. Derweil haben Verwandte des Jungen eine Online-Petition gestartet. Unter dem Slogan "Stoppt die Täter, schützt die Opfer" fordern sie lebenslange Sicherungsverwahrung für Kinderschänder und Kindermörder.

Beim Trauerzug wollen die katholischen und evangelischen Stadtdekane Wolfgang Gaber und Markus Engelhardt gemeinsam für den Jungen und seine Familie beten. Dies soll der einzige Wortbeitrag beim Marsch sein, der ab 16 Uhr vom Betzenhauser Torplatz zum Bürgerhaus Seepark führt.
Polizei bittet um Mithilfe

  • Wer hat am Sonntagabend in der Nähe des Spielplatzes an der Kandelstraße Schreie gehört und/oder einen rasant wegfahrenden Motorroller gesehen?
  • Wer hat den Jungen am Sonntagnachmittag oder später gesehen? Zum Zeitpunkt seines Verschwindens trug der schlanke, 1,40 Meter große Junge mit kurzen, dunklen Haaren ein graues Kapuzenshirt mit Affenaufdruck und Innenfutter in Neongrün, dunkle Jeans und schwarze Fila-Turnschuhe mit grünem Neonstreifen.
  • Wer hat am Spielplatz in der Kandelstraße oder im Bereich der Kleingärten in der Nähe der Bissierstraße etwas Verdächtiges beobachtet?
  • Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0761/ 882-2480 rund um die Uhr entgegen.

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Autor: Uwe Mauch und Simone Höhl