Freiburg

Besucherschwund auf der Badenmesse verärgert Aussteller

Christian Engel und Simone Höhl

Von Christian Engel & Simone Höhl

So, 16. September 2018 um 09:39 Uhr

Freiburg

Die Badenmesse hat ein Besucherproblem. Das Flaggschiff unter Freiburgs Verbrauchermessen ist weit entfernt von früheren Zahlen. Der Veranstalter sieht Handlungsbedarf, will aber an der Messe selbst festhalten.

Wenn ein Aussteller über Stunden auf dem Sofa sitzt, das er eigentlich jemandem verkaufen will, dann ist klar: Da ist nicht viel los auf der Messe. "Wir langweilen uns zu Tode", sagt Matthias Altenhöfer. Er verkauft Enthaarungsprodukte, kann sie aber kaum jemandem vorführen. Am Donnerstagvormittag hat er genau ein Produkt verkauft. 15 Euro Umsatz in drei Stunden. 2000 Euro Standgebühr zahlt er für die zehn Tage. "Ich gehe auf jeden Fall mit einem dicken Minus raus. Aber zum letzten Mal. Nächstes Jahr komme ich nicht mehr." Er ist enttäuscht vom Veranstalter, der Freiburg Wirtschaft Tourismus und Messe GmbH (FWTM).

Die Messe ist noch immer das Flaggschiff

Die Badenmesse hat vor einer Woche begonnen. Am Samstag blieben viele Hallen leer, was verschiedene Aussteller mit dem tollen Wetter und dem letzten Ferienwochenende erklären. Der gut besuchte Sonntag entschädigte viele, aber unter der Woche konnte man einen Wintergarten-Verkäufer Zeitung lesen sehen und eine Schokoladenverkäuferin unter einem Nackenmassagegerät am Nachbarstand einschlummern. Eine Ausstellerin will ihren Namen nicht sagen, aber das: Sie sei seit über 30 Jahren auf der Messe und habe noch nie so wenig Besucher gesehen. "Wenn das so weitergeht, ist es bald rum mit der Badenmesse. Da muss sich was ändern."

Vor 20 Jahren registrierte die FWTM noch weit über 100 000 Besucher bei der Badenmesse. Dieses Jahr wird es nach Schätzung der FWTM auf rund 64 000 hinauslaufen, sie setzt auf dieses Wochenende. Letztes Jahr waren es noch über 70 000. Auch die Aussteller wurden weniger: Vor zehn Jahren kamen 600, jetzt sind es 450.

Die Messewelt hat sich verändert. Früher boten Verbrauchermessen die Möglichkeit, am Wochenende einkaufen zu gehen, sagt in Berlin Peter Neven von Auma, dem Verband der deutschen Messewirtschaft: Heute gibt es das Internet und Messebesucher wollen was erleben. Sonderschauen, Stars, Programm für junge Leute – damit locke man Gäste an. Über 300 Messen gab es 2017 bundesweit, die Hälfte regionale Messen wie die Badenmesse, allerdings meist in Form von "Spezialmessen": Sie widmen sich ausschließlich einem Thema – laut Verbandschef Neven die Zukunft.

Die FWTM lässt der Schwund etwas rätseln

Eine solche Spezialmesse ist die Plaza Culinaria, die 2004 aus der Badenmesse ausgegliedert und ein Erfolg wurde. Die Landwirtschaft bekommt im März mit der "Regio Agrar Baden" auch einen eigenen Auftritt. Die "Getec" hat Überschneidungen im Angebot. Dass die Badenmesse entbeint wurde, findet Thomas Arabin nicht. Der FWTM-Abteilungsleiter Messe hat auch Klagen von Ausstellern gehört. Aber unter der Woche sei es immer ruhiger und es gebe auch zufriedene Aussteller. In Halle 4 mit dem hauswirtschaftlichen Bereich und Hansy Vogt auf der Showbühne brummt es am Freitagmittag. "Wir sind im Moment natürlich am überlegen, was man verändern könnte", sagt Arabin. Die FWTM lässt der Schwund etwas rätseln. "Die Werbung war gut, das Angebot ist vielfältig."

Die Herausforderung laut Arabin: Dem Spezial-Trend folgen und der Mehrbranchenmesse neues Leben einhauchen. Denn klar ist, dass die FWTM an der Badenmesse festhalten will. Ist sie noch Flaggschiff? "Ja, das ist ja das Verrückte", sagt Arabin: eine große Veranstaltung mit vielen Ausstellern und noch vielen Besuchern. "Und gleichzeitig spüren wir, dass es einer Veränderung bedarf."

Aber die FWTM will die Veranstaltung, die 65 Jahre gut lief, nicht komplett umkrempeln. Sie soll ein großer Bauchladen für Verbraucher bleiben. "Wir wollen weiterhin eine Familienmesse sein, attraktiv für alle Altersklassen", sagt FWTM-Geschäftsführer Daniel Strowitzki. Anreize seien heute beispielsweise schon Shows und Sonderschauen wie "Gesund schlafen" oder "Sicherheit".

Künftig soll der Fokus stärker auf Gesundheitsthemen liegen. Abteilungsleiter Arabin will neue Themen generieren, Zielgruppen genauer definieren und Bestehendes nicht abschaffen, sondern weiterentwickeln, zum Beispiel im Bereich Gesundheit gleich einen Schnupperkurs für Yoga anbieten. "Was wir erkennen: Wichtig für die Zukunft ist die Interaktion." Die zwischen Verkäufer und Käufer reiche nicht mehr.