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07. Januar 2010 17:53 Uhr
Einbruchserie
Kinderbanden knacken Freiburger Häuser – Polizei machtlos
Sie brechen ein, werden geschnappt – und wieder freigelassen. Zwangsläufig, denn sie sind meist nicht strafmündig. In Freiburg reißt die Serie von Kindereinbrüchen nicht ab. Doch die Polizei ist machtlos.
Seit dem 21. Dezember hat die Freiburger Polizei 48 Fälle registriert, bei denen mutmaßlich Kinder quer übers Stadtgebiet in Wohnungen eingebrochen sind. So sind am Dreikönigstag zwei Mädchen in der Schwarzwaldstraße im Freiburger Osten festgenommen worden. Aufmerksame Anwohner hatten beobachtet, wie die beiden zunächst mehrfach an der Haustür klingelten. Als niemand öffnete, versuchten sie die Haustüre mit einem Schraubenzieher aufzuhebeln. Dabei fielen sie einem couragierten Passanten auf, der sie festhielt, bis die Polizei eintraf.
Die Kinder hatten keine Papiere dabei – sind aber dennoch polizeibekannt. Denn das Duo wurde bereits an Heiligabend in der Jägerstraße in Zähringen erwischt. Die Polizei schätzt, dass das eine Mädchen jünger als 14 Jahre alt ist. Das andere scheint etwas älter zu sein. Die Jüngere wird der Obhut einer Jugendhilfeeinrichtung übergeben. Wieder einmal. Bei der Älteren prüfen die Behörden, ob sie in Jugendarrest gesteckt wird.
Die zwei Fälle gehören zur neusten Welle von Einbrüchen, wie sie die gesamte Region seit Jahren immer wieder erlebt. Das Landeskriminalamt (LKA) Stuttgart hat die Sonderermittlungsgruppe "Venus" eingerichtet, die von Kehl aus arbeitet. Woher das Gros der jungen Straftäter kommt, wissen die Ermittler: Sie gehören zu Sinti-und-Roma-Clans, die auf einem Landfahrerplatz bei Straßburg leben. Von dort werden die Kinder auf Klautour geschickt – und unter Druck gesetzt, bloß nicht ohne Beute heimzukommen.
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Den Ermittler n sind Grenzen gesetzt – im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist die Staatsgrenze, die verhindert, dass das Problem richtig angegangen werden kann, trotz enger Zusammenarbeit mit der französischen Justiz. "Es gibt einen Rückzugsraum, eine Art rechtsfreie Zone", räumt Ulrich Heffner, der Sprecher des Landeskriminalamts, ein. Solange sich die Familienclans in Frankreich nichts zu schulden kommen lassen, droht ihnen dort kein Ärger.
Die Ermittler schauen ohnehin weniger auf die Kinder. "Uns interessiert, wer die Hinterleute sind, wie die Familien heißen und wie sie strukturiert sind", sagt LKA-Sprecher Heffner. "Und wir wollen wissen, wer die Beute verwertet." Dafür seien langjährige und langwierige Ermittlungen erforderlich. Diese Art von organisierter Kriminalität sei eine traurige Sache, auch für die instrumentalisierten Kinder. "Wir dürfen nicht resignieren", sagt der LKA-Sprecher über die Arbeit der Polizei.
FRUST UND WUT BEI DER POLIZEI
Dass es bei den Polizeibeamten vor Ort frustriert und wütend sind, kann ein Freiburger Familienvater bezeugen. In dessen Haus in Zähringen sind bereits zum zweiten Mal Kinder eingestiegen. "Die Polizei wird durch die Einbrüche stark beschäftigt, sie kann die Sicherheitslage nicht verbessern, auch wenn sie die Taten aufklärt und die Täter verhaftet haben."
Bei der Familie in Zähringen schlugen die Kinder an einem Freitag zu, morgens zwischen 8.30 und 12.30 Uhr. Der Hunde im Haus half wenig, ihn setzten die Kinder vermutlich vorübergehend außer Gefecht. Die Einbrecher suchten in dem Haus wie so oft nach Geld und Gold, begehrt sind aber auch Laptops und MP3-Player, weil die sich leicht transportieren und in einem Rucksack verstauen lassen. Digitalkameras, Schmuck oder auch Bankkarten haben die Täter nicht beachtet, berichtet der betroffene Hauseigentümer.
21MAL VON DER POLIZEI GESCHNAPPT
Die Zähringer Familie wurde schon 2004 Opfer einer Kinderbande. Damals konnte der Familienvater die Täter festhalten. Als sie die Polizei in Empfang nahm, traf sie auf alte junge Bekannte: Die Kripo habe ihm damals berichtet, dass der eine Kindereinbrecher in vier Wochen 21 mal geschnappt worden war.
Die Polizei kann bei all diesen Fällen nur raten: Türen doppelt abschließen, die Fenster sichern – und als Nachbarn wachsam sein. Die Kinderteams sind meist nur mit Schraubenzieher unterwegs und könnten deswegen auch nur da einsteigen, wo es vergleichsweise einfach sei, sagt die Polizei. Damit sie in Treppenhäusern und auf der Straße wenig auffallen, sind sie meist modisch gekleidet.
Tipps zum Sichern von Wohnung und Haus gibt es bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle im Haus der Polizeidirektion an der Heinrich-von-Stephan-Straße 4 in Freiburg. Diese Spezialisten kommen auch gerne ins Haus oder die Wohnung des Rat Suchenden, helfen Schwachstellen bei der Einbruchsicherung aufzudecken und geben Tipps, wie man diese beseitigt. Dieser Service ist kostenfrei. Notwendig ist jedoch eine Terminvereinbarung unter Telefon 0761/882-4191. Tipps zum sicheren Wohnen gibt es auch im Internet unter www.polizei-beratung.de.
- Südbaden: Polizei ist Kinderbanden auf der Spur
Autor: Joachim Röderer
