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05. Juni 2012 08:57 Uhr
Gastro-Jubiläum
Freiburger Institution: Das "Oberkirch" wird 75
Es ist ein echtes Traditionshaus – und gilt seit Generationen als eine gastronomische Institution: Das Restaurant und Hotel Oberkirch am Freiburger Münsterplatz feiert seinen 75. Geburtstag.
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Doris Hunn vor dem „Oberkirch“ am Münsterplatz, das seinen 75. Geburtstag feiern kann. Foto: Thomas Kunz
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Gediegen: Die Gaststube des „Oberkirch“. Foto: Thomas Kunz
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Der Gastraum sieht noch aus wie vor 75 Jahren Foto: Thomas Kunz
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Die Zimmer atmen Geschichte, aber mit WLAN-Anschluss Foto: Thomas Kunz
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Hotel und Restaurant Oberkirch in den 50er-Jahren, als der Münsterplatz noch als Parkplatz für Opel Admiral und Co. dienste. Foto: privat
Es gibt nicht mehr viele Gaststuben in Freiburg wie die im "Oberkirch": Kachelofen, lange Holztische und Damasttischdecken, Tafelsilber und dunkle Holzvertäfelung. Mit einem Wort: gediegen. Die Stube sieht im Wesentlichen noch so aus wie im Jahr 1937, als Karl Oberkirch seine Weinstube am Münsterplatz eröffnete. Restaurant und das angeschlossene Hotel sind längst eine Freiburger Institution. Und die feiert jetzt ihren 75.Geburtstag: "Karl Oberkirch hat damals etwas begonnen, das es wert ist weitergeführt zu werden", sagt die heutige Chefin Doris Hunn.
Das "Oberkirch" hat ungezählte Stammgäste, die seit Jahrzehnten kommen und die Kontinuität im Haus schätzen. Seit jeher mischt sich hier das Publikum: Akademische Klientel sitzt Seite an Seite mit Bauern und Markthändlern vom Münsterplatz und Touristen. All das hat sich hier in 75 Jahren nicht geändert. "Es ist eine besondere Kommunikation, die hier entsteht", berichtet Doris Hunn. Das Miteinander wird gefördert durch die langen Tische in der Gaststube: Hier rücken die Menschen zusammen und kommen sozusagen automatisch ins Gespräch.
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1936 kaufte der ebenfalls aus Burkheim stammende Karl Oberkirch die Weinstube und gab seinen bisherigen Standort in der Bertoldstraße 34 (das heutige "Café Aspekte") dafür auf. An Fronleichnam 1937 konnte die Eröffnung gefeiert werden. Die Ausstattung der Gaststube übernahm das Einrichtungshaus Dietler, das weit über Freiburg hinaus hohes Renommee hatte. Die Weinstuben wurden kurz darauf von den Oberkirchs um ein Hotel erweitert.
Das "Oberkirch" überstand wie das Münster und das Historische Kaufhaus die Bombennacht am 27. November 1944. Die Legende besagt, dass Karl Oberkirch die Flammen mit Wein aus seinem Weinkeller gelöscht hat, weil die wasserführenden Bächle durch Trümmer verstopft waren.
Von 1951 an arbeitete Tochter Helga Oberkirch im Haus mit, im gleichen Jahr werden weitere Hotelzimmer in einem Gebäude an der Schusterstraße übernommen. Helga Oberkirch und ihr Ehemann Herbert Johner führten das "Oberkirch" bis 1991, übergaben dann an ihren Sohn Helmut Johner, der aber 1997 starb.
Seither ist Johners Lebensgefährtin Doris Hunn die Chefin in Hotel und Restaurant. 1992 hatte es eine umfangreiche Sanierung gegeben – bis dahin hatte nur das "Fürstenzimmer" (mit exklusivem Münsterturmblick) ein Badezimmer. Das ist heute natürlich anders. Doris Hunn hat behutsam modernisiert, die alten Möbel wurden aufgefrischt. Die Tapeten mit den floralen Mustern sind geblieben. Die Räume atmen Geschichte. Dennoch: Heute gibt es für die Gäste in den insgesamt 17 Zimmern kabellosen Internetzugang per WLAN und das Traditionshaus hat auch eine eigene Seite beim sozialen Netzwerk Facebook. Und ein Zimmer im Oberkirch kann man heute selbstverständlich über die großen Internet-Hotelportale buchen.
Das Restaurant floriert, auch jüngere Gäste kommen regelmäßig und treffen auf die alte Oberkirch-Stammkundschaft. Die erzählen von Gregor (eigentlich Grigorio) und Pia, die einst den Laden schmissen. Und wissen auch, wie die kürzeste Verbindung vom "Oberkirch" zum "Rappen "auf der anderen Platzseite verlief: nämlich quer durchs Münster. Früher waren samstagvormittags alle Tische durch Stammtische belegt. Etliche haben sich bis heute gehalten, auch wenn es weniger geworden sind. Der Saal und die kleineren intimeren Nebenräume werden oft gebucht. Hinter den geschlossenen Türen der Oberkirch-Nebenräume soll auch manche wichtige Entscheidung der Freiburger Kommunalpolitik getroffen worden sein.
Das Traditionshaus profitiert auch vom anhaltenden Freiburger Tourismusboom: "Wir spüren eine deutliche Zunahme bei den Übernachtungen", so Doris Hunn. Längst gibt es neben der Abendkarte einen günstigen Mittagstisch. Gekocht wird regional und saisonal mit frischen Produkten Markt vor der Haustür und aus der Region. Die Spätzle kommen handgeschabt vom Brett. "Wir wollen eine ehrliche Küche", sagt die Chefin. 69 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zum Team, darunter 15 Lehrlinge. Ein gutes Betriebsklima sei in dem Haus immer allen wichtig gewesen.
Doris Hunn ist die Inhaberin, Hauptpächterin ist die Rothaus-Brauerei, das Haus steht weiter im Eigentum der Familie Oberkirch. Der Geburtstag wird groß gefeiert. Derzeit gibt es jede Woche Menüs mit Gerichten, die typisch sind für jeweils ein Jahrzehnt der vergangenen 75 Jahre.
Autor: Joachim Röderer





