Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. Juni 2013 00:00 Uhr

Grill-Serie Teil 19

Bier, Wasser, Wein: Die Getränke zum Grillabend

Welches Getränk passt zu welchem Grillgericht? Beim Wasser beeinflusst die Mineralisierung den Geschmack und je dunkler das Fleisch, umso dunkler das Bier. Und was ist mit Wein?

  1. Ein Prosit aufs Grillen! Foto: -



1. Bier

Je dunkler das Fleisch, umso dunkler das Bier – auf diese erste Grundregel bringt es der Denzlinger Bier-Sommelier Jan Czerny. Er empfiehlt eine Trinktemperatur zwischen 9 und 13 Grad. Ist das Bier kälter, können sich die Aromen nicht entfalten. Und: "Immer aus einem Glas." Und noch ein Tipp: Die Gläser nicht zu groß wählen, "dann haben Sie immer frisches Bier vor sich." Der Frische zuträglich ist es auch, das Bier langsam einzuschenken, damit nicht zu viel Kohlensäure entweicht.

"Bier ist nun einmal der beste Begleiter zum Grillen." Jan Czerny
Apropos viel: Dem Gerücht, Bier habe viele Kalorien, tritt Czerny entgegen. Ein Liter hat etwa 400 Kalorien, eine vergleichbare Menge Rotwein mehr als das Doppelte. Aber: Bier regt den Stoffwechsel an – und macht Appetit. Das müsse allerdings kein Widerspruch sein. Denn: "Bier", findet Czerny, "ist nun einmal der beste Begleiter zum Grillen." Wer übrigens die Gelegenheit nutzen möchte, mal etwas Neues auszuprobieren, dem rät der Sommelier zu einem "Indian Pale Ale", einem hellen starken Ale. Die seien derzeit noch ein Geheimtipp. Aber nicht mehr lange, ist sich Czerny sicher.

Werbung


2. Wasser

Zu Grillgerichten empfiehlt die Freiburger Wasser-Sommelière Gabriele Voigt-Gempp generell Wässer mit Kohlensäure, "um die Geschmacksknospen der Zunge zu öffnen." Zudem wird der Speichelfluss stimuliert und die Aromen und Feinheiten der Speisen kommen besser zur Geltung.

"Versuchen Sie mal weniger kalt zu trinken!" Gabriele Voigt-Gempp
Natürlich stehe immer der persönliche Geschmack des Gastes im Vordergrund, aber die Mineralisierung eines Wassers beeinflusse die geschmackliche Wahrnehmung. Zu Speisen mit deutlichem Eigengeschmack wie Artischocken, Tomaten, Paprika oder auch Ananas werden kohlensäureärmere Wässer mit geringerer bis mittlerer Mineralisierung empfohlen (mittlere Mineralisierung: 500 bis 1500 mg Mineralien pro Liter). Bei Speisen mit kräftiger Würzung wie gewürzten Kräutersteaks oder gewürzten Desserts vom Grill rät Voigt-Gempp zu hoch mineralisierten Wässern (mehr als 1500 mg Mineralien pro Liter). Leichte Gerichte mit weniger Eigengeschmack wie Fischgerichte, Zucchini oder feine Salate kommen durch Wässer im Bereich der mittleren Mineralisierung mit guten Hydrogencarbonatanteilen (ab 400 mg/l aufwärts) besonders zur Geltung (eine Übersicht auf http://www.mineralwasserkompass.de Wird Wein zum Essen getrunken, sollte sich die Wasserempfehlung immer an den ausgesuchten Weinen orientieren. "Hier sollten Sie vorab eine Wein-Wasserprobe wagen, es lohnt sich", rät die Sommelière, die auch noch einen Tipp in Bezug auf die Bekömmlichkeit hat: "Gerade im Sommer werden sehr oft sehr kalte Wässer getrunken. Dies behindert in vielen Fällen eine reibungslose Verdauung. Versuchen Sie mal weniger kalt zu trinken!"

3. Wein

"Rosé oder Weißherbst vom Spätburgunder." Lange braucht Arne Bercher vom gleichnamigen Burkheimer Weingut nicht zu überlegen, wenn man ihn nach dem richtigen Begleiter für einen launigen Grillabend fragt. Sieben bis acht Grad Trinktemperatur, dann kommen Eleganz, Säure und Finesse voll zur Geltung. Darf man zur Not auch einmal einen Eiswürfel in den Wein geben, damit er bei sommerlichen Außentemperaturen angenehm kühl bleibt? "Nein", macht Bercher keine Kompromisse. Gekühlte Gläser und nicht zu viel auf einmal einschenken, dann klappt’s auch mit der Wein-Temperatur. Zu dunklem Fleisch darf auch gerne ein Rotwein gereicht werden, vorzugsweise ein Spätburgunder. Auch den würde Bercher beim Grillen leicht kühlen, auf 17 bis 19 Grad: "Dazu die Flasche einfach in einen mit kaltem Wasser gefüllten Sektkühler stellen."

4. Digestif

Gut gegrillt, reichlich gegessen – da kann ein Schnäpschen hilfreich sein. "Das muss jeder selbst entscheiden", sagt Florian Faude von "Faude feine Brände" aus Bötzingen. Als "Verreißerle" für danach beziehungsweise zum Dessert würde er zu Klassikern greifen – Birne, Himbeere. Aber nur leicht gekühlt eingeschenkt, damit das Aroma seine volle Wirkung entfalten kann. Übrigens: Wer einem guten Destillat seine ganze Klasse abgewinnen möchte, lässt sich den Tropfen im Glas zunächst ein wenig akklimatisieren. Zunächst wird gerochen, probiert wird dann ein kleiner Schluck, der nicht wie ein Wein im Mund durchgelüftet werden sollte. Denn dann brennt der Alkohol auf den Schleimhäuten. Wie gesagt, zum Verkosten. Nach einem gehaltvollen Essen empfiehlt Faude eine andere Dosis: "Da darf es schon ein Mundvoll sein.

Mehr zum Thema:

Autor: Holger Knöferl