Nach Attentat in Straßburg

Gelbwesten sorgen mit Verschwörungstheorien für Kopfschütteln

Michael Neubauer

Von Michael Neubauer

Mi, 12. Dezember 2018 um 13:17 Uhr

Straßburg

Bei vielen Franzosen sorgen Kommentare im Internet für Verärgerung: Auf mehreren Facebook-Seiten der sogenannten Gelbwesten-Bewegung sind Verschwörungstheorien zum Attentat verbreitet worden.

Der Anschlag, bei dem drei Menschen starben, sei "von den Geheimdiensten" oder von "den Politikern" organisiert worden, um den Ausnahmezustand ausrufen zu können und die Gelbwestenbewegung durch Versammlungsverbote kaputt zu machen, heißt es dort. Für mehrere Kommentatoren in der Facebook-Gruppe handelt es sich bei den Vorfällen in der elsässischen Metropole um einen Ablenkungsversuch der Regierung.

"Na also !!! Das was passieren musste, passierte. Ein ’Attentat’ genau einen Tag nach der Ansprache von Macron und vor dem nächsten Demonstrations-Samstag…", zitiert das Nachrichtenportal Francetvinfo.fr einen Kommentatoren auf einer Facebook-Seite der Gelbwesten, der mehr als 62.000 Anhänger folgen. "Halten die uns denn wirklich für Idioten?"

Ein anderer Kommentator bezweifelt in einem Video, dass ein Attentäter in einer eher menschenleeren Straßburger Straße sein Attentat begehen würde statt etwa auf den mit Millionen von Menschen gesäumten Champs-Elysées in Paris.


Mehrere Facebookgruppen-Administratoren gingen dazu über, wegen solcher Verschwörungstheorien die Kommentarfunktion vorübergehend zu deaktivieren – was zahlreiche Mitglieder der Gelbwesten sehr begrüßten.

Der französische Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer verurteilte diese Verschwörungstheorien aufs Schärfste. Immer wenn etwas Unfassbares passiere, werde dem Unfassbaren weiteres Unfassbares hinzugefügt, sagte er dem Sender RTL. Er rief auf, an die Familien der Opfer zu denken.

Am vergangenen Samstag waren wieder weit mehr als 100.000 Menschen in Frankreich auf die Straße gegangen, davon mindestens 10.000 in Paris. Sie demonstrierten für mehr Steuergerechtigkeit, viele verlangten den Rücktritt des Präsidenten. Am Montagabend hatte Präsident Emmanuel Macron in einer TV-Ansprache an die Nation Zugeständnisse gemacht in der Hoffnung, dass die Bewegung einlenkt. Vielen Anhängern der Bewegung gehen diese finanziellen Erleichterungen nicht weit genug.

Deshalb rufen sie für den kommenden Samstag zum fünften Mal zu größeren Protesten auf. In Straßburg hat die Präfektur nach dem Attentat vorerst Demonstrationen und Versammlungen auf den Straßen verboten.