Alte Antennen

Kein Fernsehen mehr aus der Schweiz ab Ende 2019 – auch im Kabel

Rolf Müller

Von Rolf Müller

Fr, 07. September 2018 um 18:05 Uhr

Computer & Medien

Weil die Rundfunkgebühren in der Schweiz drastisch gesenkt werden, muss die SRG sparen. Bis Ende 2019 stellt sie die Ausstrahlung über Antenne ein. Das hat Folgen entlang der Schweizer Grenze.

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG stellt bis spätestens Ende 2019 die Ausstrahlung ihrer Fernsehprogramme über Antenne aus Kostengründen komplett ein. Dies ist eine der Folgen der Abstimmung über die Rundfunkgebühren im März dieses Jahres und bedeutet, dass in den grenznahen Gebieten in Deutschland die Schweizer Programme nicht mehr mit einer Antenne empfangen werden können. Weiter entfällt damit auch die rechtliche Grundlage für die Einspeisung ins deutsche Kabelnetz.

Zwar war die Abschaffung der Gebühren mit deutlicher Mehrheit abgelehnt worden, doch hatte die zuständige Bundesrätin Leuthard zugesichert, dass die Gebühren im Fall einer Ablehnung der sogenannten No-Billag-Initiative, der Abschaffungsinitiative, von 451 auf 365 Franken pro Jahr gesenkt werden. In der Folge muss die SRG nun 100 Millionen Franken sparen. Dies soll einerseits durch die Streichung von 250 Stellen, aber auch durch Einsparungen im Programm erfolgen. So sollen Sendungen wie der Talk "Aeschbacher", "Nachtwach", "Tacho" sowie die Eigenproduktion am frühen Sonntag Abend entfallen. Bereits gekürzt wurde im Sommerprogramm der SRG.

Antennenempfang wird kaum noch genutzt

In der neuen Konzession, die vom Bundesrat Ende August verabschiedet wurde und den Betrieb der SRG von 2019 bis 2022 regelt, ist unter anderem vorgesehen, das zweite italienischsprachige Programm RSI La 2 durch ein multimediales Angebot zu ersetzen und Radio-Programme aus Kostengründen zusammenzulegen – beziehungsweise sieben Programme ganz zu streichen. Vor allem aber hat der Bundesrat in den Übergangsbestimmungen festgehalten, dass "das Recht und die Pflicht der SRG", TV-Programme über Antenne zu verbreiten "bis spätestens Ende 2019 erlöschen".

Gegen über der BZ bestätigte SRG-Pressesprecher Edi Estermann, dass das Unternehmen dies auch umsetzen werde. Angesichts der Tatsache, dass nur 1,9 Prozent der Haushalte Programme über Antenne empfangen und dies vor allem für Zweit- und Drittgeräte genutzt werde, sei der Aufwand mit den mehr als 200 Sendeanlagen zu teuer. Wegen der geringen Nutzung hatte die SRG im Unterschied zu Deutschland bereits 2017 darauf verzichtet, die digitale Antennenausstrahlung DVB-T auf das hoch auflösende HD-Format mit der Technik DVB-T2 umzustellen. Den von der kompletten Abschaltung Betroffenen empfiehlt die SRG nun, auf Satelliten-Empfang mit der besseren HD-Qualität umzusteigen. Da die Schweizer Fernsehprogramme aus urheberrechtlichen Gründen aber verschlüsselt sind, schauen die deutschen Zuschauer dabei buchstäblich "in die Röhre" – über kurz oder lang wohl auch im Kabel. Wie schon beim österreichischen ORF werden vermutlich auch hier Pay-TV-Anbieter wie Sky, denen die Sportsendungen der Schweizer schon lange ein Dorn im Auge sind, auf einer Abschaltung bestehen.

Zukunft der Hörfunkprogramme unklar

Frei empfangbar wird dann nur noch der überwiegende Teil von SRF info mit Nachrichten und Eigenproduktion wie "Kassensturz" sein – allerdings nur von Haushalten, die neben dem Satelliten Astra auch noch Hot Bird empfangen. Eine Ausnahme gibt es für die Schweizer Bürger, die sich aus Kostengründen diesseits des Hochrheins niedergelassen haben. Die können eine Entschlüsselungskarte bestellen – einmalige Kosten 60 Franken, dazu jährlich 120 Franken, plus deutsche Mehrwertsteuer. Nicht betroffen sind die Schweizer Radioprogramme. Allerdings wird die UKW-Ausstrahlung bis 2024 schrittweise zugunsten der digitalen Technik DAB+ abgeschaltet.

Ob es danach noch alle bisherigen SRG-Hörfunkprogramme gibt, ist keineswegs sicher. Denn angesichts der Tatsache, dass die SRG ausdrücklich die Möglichkeit hat, sieben Radioprogramme abzuschalten, fordert der Schweizer Verlegerverband bereits, auch in Deutschland beliebte Programme wie Swiss Pop, Swiss Classic oder Swiss Jazz einzustellen und das Volksmusikprogramm Musikwelle Privaten zu überlassen.