Lörracher Blechbläserquintett Fanfare Royale

Bernhard Böttinger: „Pausen tun einem Ensemble auch gut“gut"

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Mi, 12. November 2014

Klassik

BZ-INTERVIEW mit Bernhard Böttinger vom Lörracher Blechbläserquintett Fanfare Royale, das vor 25 Jahren gegründet wurde.

Mit einem Konzert in der evangelischen Stadtkirche Lörrach feiert das Blechbläserquintett Fanfare Royale am 15. November sein 25-jähriges Bestehen. BZ-Redakteur Daniel Gramespacher, selbst ein Mitbegründer, sprach mit Bernhard Böttinger, seit jeher Kopf und Motor des Ensembles, über die Motivation, den musikalischen Reiz, die Stimmung zwischen Profis und Amateuren sowie das Gewissen.

BZ: 25 Jahre ist für ein Ensemble ohne institutionellen Status eine beachtliche Zeitspanne. Wie erklärst du, dass sich Fanfare Royale nicht längst aufgelöst hat?
Böttinger: Ja, das ist wirklich erstaunlich – manchmal wundere ich mich selbst. Vermutlich ist es die gute Mischung aus hohem musikalischen Anspruch und echter Freundschaft im Ensemble. Wir sind wirklich entspannt, helfen einander so, dass jeder sein Bestes geben kann und spielerisch glänzen kann. Es macht auch nach so langer Zeit jedes Mal wahnsinnig viel Spaß zu proben und dann im Konzert zu spielen. Außerdem spielen wir nicht täglich zusammen, und die Pausen tun einem Ensemble sicher auch gut.

BZ: Du bist das einzig verbliebene Gründungsmitglied und bis heute Kopf und Motor des Quintetts. Was treibt dich an?
Böttinger: Tatsächlich bringe ich viel Motivation mit, die anderen Ensemblemitglieder – und einige sind ja nun auch schon bald 15 Jahre dabei – helfen natürlich auch. Die Konzertorganisation, Meetings mit Sponsoren und Veranstaltern – all das ist ja nur möglich, wenn alle nach Kräften mithelfen. Zusätzlich treibt mich persönlich natürlich an, dass die musikalischen Möglichkeiten – gerade im Zusammenspiel – enorm sind in einem Ensemble, das sich durch jahrelanges gemeinsames Musizieren extrem gut kennt. So etwas ist in einem kurzfristig zusammengesetzten Ensemble gar nicht möglich – egal, wie gut die Musiker individuell sind.
BZ: Worin liegt für dich musikalisch der Reiz der Besetzung Brassquintett?
Böttinger: Ein Brassquintett ist für mich einzigartig: im Klang, der durch die Tuba abgerundet wird und dadurch dann nicht mehr so sehr nach Blech klingt. Dann das kammermusikalische Zusammenspiel: Jeder hört auf den anderen, es ist immer klar, wer gerade die Melodie führt und wer unterstützt und natürlich wechselt das und jeder darf sein Können ausspielen. Und dann natürlich die Spannbreite der Literatur: Wir spielen in einem Konzert einen Tanz aus dem Mittelalter, eine Fuge von Bach, ein Stück von Mozart und dann von den Beatles und Michael Jackson – wo sonst ist so etwas möglich?
BZ: Fanfare Royale ist kein professionelles Ensemble. Die Gründer waren allesamt Amateure. Bald waren aber auch Musikstudenten und Berufsmusiker dabei. Die Mehrheit sind aber bis heute Amateure, die ihre Brötchen als Arzt, Unternehmensberater und Physiker verdienen. Wie harmonieren Profis und Amateure?
Böttinger: Das ist bei uns im Ensemble gar kein Thema. Wir spielen einfach miteinander und freuen uns, wenn die Stücke einen tollen Schwung bekommen und klingen. Die Musikstudenten und Profis fühlen sich sogar sehr wohl bei uns, sie sagen immer wieder, wie gut und konstruktiv die Stimmung ist. Sie erfahren in Profi-Ensembles offenbar öfters angespannte Stimmung und teils vielleicht sogar etwas Neid der Kollegen. Das ist bei uns nach 25 Jahren wirklich anders, wir genießen jedes Konzert und freuen uns, wenn den Kollegen die schwierigen Stellen beim Auftritt gut gelingen.

"Wir haben vielen Talenten Möglichkeiten eröffnet,

vor großem Publikum und

mit guten Bedingungen

zu spielen."

BZ: Nicht selten plagen Berufsmusiker existenzielle Sorgen. Die Mehrheit von Fanfare Royale spielt aus Freude an der Musik, muss damit kein Geld verdienen. Hat man da nicht manchmal ein schlechtes Gewissen, sich auf dem Markt zu tummeln, auf den Profis angewiesen sind?
Böttinger: Ich denke, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Über die Jahre haben wir vielen jungen Talenten Möglichkeiten eröffnet, vor großem Publikum und mit guten Bedingungen zu spielen. Inzwischen sind vier ehemalige Fanfare Royale-Mitglieder in renommierten deutschen Sinfonieorchestern – in Berlin "Unter den Linden" gleich zwei, dann einer in Baden-Baden und ein anderer in Rom. Es macht mich schon auch stolz, dass wir ein Sprungbrett geboten haben für außergewöhnliche Musikkarrieren.

Bernhard Böttinger (47) ist in Lörrach aufgewachsen und musikalisch groß geworden an der städtischen Musikschule und bei der Stadtmusik. Er studierte an der Universität Basel Wirtschaftswissenschaften und nahm gleichzeitig Unterricht bei Marc Ullrich und Edward H. Tarr. Heute arbeitet er als Partner bei einer Unternehmensberatung. Mit Frau und zwei Kindern wohnt er in Horgen am Zürichsee.