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07. Mai 2009
Glückliche Kühe, gefährdete Bauern
Regierungspräsident Würtenberger ging in Stall und Scheune und ließ sich die Probleme der Höhenlandwirtschaft erklären
HOCHSCHWARZWALD. Der Termin, den Regierungspräsident Julian Würtenberger für seine Informationstour auf der "Milchstraße" durch den Hochschwarzwald wählte, war nicht gerade günstig gewählt: Ausgerechnet am Dienstagmorgen berichteten die Medien über die Senkung des Frischmilchpreises des größten Discounters Aldi um gleich sieben auf 48 Cent. Dennoch blieb es im Rahmen der Besichtigung zweier Milchviehbetriebe in Titisee-Neustadt und in Breitnau bei einer sachlichen Erörterung und Diskussion der speziellen Problematik in der Höhenlandwirtschaft.
Die Idylle auf dem Benediktenhof in der Schildwende lässt jedes Besucherherz höher schlagen: Ein Bächlein plätschert neben dem Hof, zwei Esel freuen sich über das frische Grün am Hanggrundstück, über ein Duzend Katzen genießen die wärmenden Sonnenstrahlen auf dem Vorplatz, im Stall hört man ein zufriedenes Muhen. 63 Hektar, jeweils zur Hälfte Wald und Grünland, werden von Eugen Ketterer und seiner Familie bewirtschaftet. 25 Hektar der Wiesen sind im Steillagengebiet, was nicht nur die Bewirtschaftung sehr schwierig macht.Werbung
Der geplante Umbau des jetzigen Anbindestalles in einen Boxenlaufstall für 30 Kühe sei durch die Hanglange mit sehr hohen Investitionen verbunden, doch eine andere Ausbaumöglichkeit gebe es nicht. Der momentane Milchpreis lasse zwar Zweifel an der Rentabilität der Investition bei den Ketterers aufkommen. Doch um die Fortführung des Betriebes zu gewährleisten, sei der Stallumbau unumgänglich.
Als Hofnachfolger steht der 32-jährige Sohn Ralf in den Startlöchern, der sich allerdings rechtzeitig als Zimmermann ein zweites Standbein sicherte. "Wenn ich hier nicht aufgewachsen und mit dem Betrieb verbunden wäre, hätten wir ihn vermutlich schon gestern aufgelöst", sagt er und lässt damit mehr Idealismus und Herzblut für die Landwirtschaft als Profitdenken erkennen.
Dass sich mit dem derzeitigen Milchpreis kein Investitionskonzept rechnen lässt ("da müsste man schon zaubern können"), gab der Stallbauberater beim Landkreis Emmendingen, Herbert Pohlmann, zu. Die entscheidende Frage sei, wie lange sich die Dumpingpreise halten.
Am Beispiel der Familie Ketterer lasse sich beweisen, dass auch ein relativ kleiner Betrieb mit vernünftigem Wirtschaften und der Mithilfe aller Familienmitglieder den Hof in Schuss halten und die Zukunft meistern könne.
Was Ketterer noch vor sich hat, hat der 1694 erbaute Haldenmichelhof in Breitnau bereits hinter sich. 1990 wurde der Boxenlaufstahl umgebaut, 2008 übernahm Jungbauer Markus Wangler den Betrieb (35 Hektar Grünland) von seinem Vater. Mit dem Betrieb sind er und auch die mithelfenden Eltern und Freundin voll ausgelastet, eine Vergrößerung sei daher nicht geplant.
Daher werden sämtliche Möglichkeiten der Kostensenkung genutzt, eine gewisse Spanne ermögliche die Pflege des relativ alten Maschinenparks (sein neuester Schlepper ist 18 Jahre alt). Seine 29 Milchkühe danken den gebotenen Komfort und das gute Grundfutter mit einer hohen "Weidemilch"-Leistung.
Doch mit dem Stall allein lässt es sich nicht leben. Daher wurde 2003 ein Neubau mit drei Ferienwohnungen gebaut, die von der Mutter betreut werden und deren Belegzahlen so manchen Zimmervermieter fast neidisch werden lassen könnten. Weitere Standbeine sind der Wald (34 Hektar) und eine Photovoltaik-Anlage. "Da das meiste abbezahlt ist und nur noch geringe Abschreibungen vorhanden sind, kann ich den derzeitigen Milchpreis noch einigermaßen verkraften, doch wir leben momentan von der Substanz", beschreibt Wangler die Lage. Ohne Ausgleichsleistungen gäbe er der Landwirtschaft im Hochschwarzwald jedoch keine Chance.
BLHV-Präsident Werner Räpple bestätigt aufgrund der besonderen Topografie die von Ketterer genannten zusätzlichen Wachstumshürden für die Schwarzwaldhöfe, daher sieht er eher Möglichkeiten im Bereich Tourismus oder Direktvermarktung. Eine Lockerung der Bauvorschriften beim Neubau, Erhalt der Bausubstanz oder bei der Umnutzung würde die Zukunft der Familien insgesamt flexibler machen.
Autor: Christa Maier
