Bundestagswahlkampf 2017

Leni Breymaier rätselt über die Verpuffung des Schulz-Effekts

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Sa, 09. September 2017 um 12:11 Uhr

Deutschland

Die SPD-Spitzenkandidatin war ehrlich bei ihrem Talk am BZ-Wahltag in Freiburg: "Wenn ich den Schulz-Effekt erklären könnte, wüsste ich jetzt, was zu tun ist." Eine Einordnung des Gesprächs von Politik-Redakteur Karl-Heinz Fesenmeier.

Die SPD-Spitzenkandidatin Leni Breymaier hat natürlich mit der Frage nach dem Schulz-Effekt gerechnet. Woher kam er und warum ist er so schnell verpufft? Sie ist ehrlich und sagt es gerade heraus: "Ich weiß es nicht." Und: "Wenn ich den Schulz-Effekt erklären könnte, wüsste ich jetzt, was zu tun ist." Das leuchtet den Fragestellern Thomas Hauser und Stefan Hupka ein, so dass sich ein Nachhaken erübrigt.



"Ich kann doch nicht ein Drittel der Gesellschaft aus dem Wahlkampf heraushalten."
Breymaier lässt durchblicken, was sie an diesem Wahlkampf am meisten stört: Sie will kämpfen, wahlkämpfen, aber alle ducken sich weg. "Ich mache immer Ping Ping Ping, aber es kommt kein Pong zurück." Sie bemängelt, dass über die Probleme zu vieler Menschen nicht gesprochen wird. "Aber ich kann doch nicht ein Drittel der Gesellschaft aus dem Wahlkampf heraushalten", sagte Breymaier, die seit einem Jahr die Südwest-SPD führt.

Breymaier setzt sich für klassisch sozialdemokratische Themen ein, will eine Bürgerversicherung, mehr staatliche Investitionen, ist gegen eine Rentenkürzung. Aber sie hat natürlich auch das Problem, dass sie die Regierungsarbeit der SPD verteidigen muss. Immerhin sind das der Mindestlohn und die Mietpreisbremse. Und die Schlappen in den Landtagswahlen hängen wie Blei an der SPD. Das Saarland, sagt sie, sei wegen Lafontaine ein spezielles Biotop. Und an der Niederlage in Schleswig-Holstein sei der "Küstenchauvi" schuld, also Ex-Ministerpräsident Torsten Albig, der in einem Zeitungsinterview erklärte, warum er als nun wichtiger Mann nicht mehr bei seiner Frau bleiben konnte. Da hört für Leni Breymaier der Spaß auf. Sie will sich im Bundestag neben Arbeit und Soziales um Gleichstellung sowie um die Menschenrechtsverletzungen in der Prostitution kümmern – dafür gab es etwas Applaus.



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