Weingut Lothar Schwörer (Schmieheim)

Lothar Schwörer: "Die Vielfalt der Bodenformationen ist eine Stärke"

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Do, 03. Mai 2018 um 21:30 Uhr

Gastronomie

BZ-Serie "Weinkult Breisgau" (29): Lothar Schwörer aus Schmieheim sieht den Breisgau schon heute auf Augenhöhe mit anderen Regionen.

BZ: Stellen Sie sich vor, Sie sind beim Bundespräsidenten eingeladen. Welche Flasche Wein aus Ihrem Keller bringen Sie ihm mit?
Lothar Schwörer: Zum Bundespräsidenten würde ich unsere trockene Rowein Cuvée Salomé mitnehmen. Dahinter steht auch eine sagenumwobene Geschichte. Ein Wein zum "Staat machen".

BZ: Die Breisgauer haben sich viele Jahre hinter Kaiserstuhl, Markgräflerland oder Ortenau versteckt. Was muss sich ändern, damit das Gebiet bekannter wird?
Schwörer: In letzter Zeit wurden einige gemeinsame Projekte angestoßen, wir arbeiten daran.

BZ: Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?
Schwörer: Man produziert ein Produkt, das andere fasziniert und begeistert. Die Arbeit in der Natur wird heute kontrastiert durch modernste Technik. Geist und Körper sind gefragt. Dazu gehört es, die Tradition zu kennen und den Mut zu haben, neue Wege einzuschlagen. Wein macht Arbeit, manchmal ärgert er uns, aber wenn er mit uns spricht und wir mit ihm, zaubert er ein Lachen in unser Gesicht und schenkt uns unvergessliche Momente.

BZ: Was schätzen Sie am Breisgau?
Schwörer: Unsere klimatisch begünstigte Region und die wunderbar, reizvolle und lebendige Landschaft sind wie geschaffen für den Weinbau.

BZ: Mit welchen Weinen kann sich der Breisgau profilieren?
Schwörer: Die Vielfalt der Bodenformationen ist eine Stärke, die man herausstellen kann: Muschelkalk, Löss, Buntsandstein oder Kalkstein sorgen für elegante filigrane weiße Burgunderweine mit feiner Säurestruktur. Frische Weißweine wie der Auxerrois oder der Klassiker Spätburgunder, den man neu entdecken kann, sind schöne Essensbegleiter.

BZ: Was ist für Sie ein großer Wein?
Schwörer: Große Weine haben eines gemeinsam: ein unvergessliches Geschmackserlebnis mit einer unvergleichlichen Note und Story. Er sollte Lust auf mehr machen.

BZ: Was trinken Sie, wenn kein Breisgauer mehr im Keller liegt?
Schwörer: Bestimmt nicht nur Wasser! Ich war schon immer neugierig und probiere, was in der internationalen Weinwelt sonst noch abgefüllt wird.

BZ: Beschreiben Sie in drei Schlagworten Ihre Betriebsphilosophie.
Schwörer: Ehrlich, bodenständig, zukunftsorientiert.

BZ: Die Beschaffenheit der Böden wird wichtiger. Was kennzeichnet Ihre Hänge?
Schwörer: Aus unserer felsigen Südlage "Kalkofen" in Schmieheim entstand eine Serie von Spitzenweinen unter dem Namen "Kalksteinfels", die in ihrer Aromatik die Mineralität des Muschelkalksteins deutlich erkennen lassen. Eine gleichartige Bodenformation finden wir im Breisgau am Hecklinger Schlossberg. Unsere weiteren Lagen in der Vorbergzone sind von sehr fruchtbaren Lössschichten geprägt, die teilweise vom Muschelkalk durchzogen sind.

BZ:
Der Klimawandel schreitet rasant voran. Muss der Breisgau Alternativen zu den Burgundersorten finden?
Schwörer: Der Klimawandel ist für uns bis jetzt noch keine Katastrophe, sondern hat auch viele Vorteile. Sorge bereit mir jedoch die Zunahme von Extremwettern, die das Risiko von Schäden erhöht.

BZ: Wo steht der Breisgau in 20 Jahren?
Schwörer: Ich bin mir sicher, in 20 Jahren nennen viele Weinliebhaber die Weinregion "Breisgau" in einem Atemzug mit unseren Nachbarn.

BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen Euro. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
Schwörer: Ideen und Visionen habe ich noch einige, aber ich spiele kein Lotto.
Lothar Schwörer (56)

führt seit 1992 mit seiner Frau Cornelia das Familienweingut, gegründet 1875. Er hat drei Meistertitel (Winzer-, Weinküfer- und Kellermeister). Nach der Ausbildung zog es ihn mehrere Jahre durch die europäische Weinszene. Zurück wurden neben der Modernisierung der Betriebsgebäude und der Kellertechnik die Rebfläche auf zehn Hektar aufgestockt und der Rebsortenspiegel erweitert. 1999 Bau einer Kellerei mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Litern. Die Jahresproduktion beträgt zirka 80.000 Flaschen.

Weinkult Breisgau

Weinverkostung und Wein-Party "Weinkult Breisgau", Freitag, 18. Mai, 18 bis 2 Uhr, Weingut Weber in Ettenheim, Vorverkauf 30 Euro, Abendkasse 35 Euro (inklusive Weine, Sekt und Wasser), BZ-Card-Inhaber erhalten 2 Euro Ermäßigung; Karten beim BZ-Karten-Service (bz-ticket.de/karten oder Telefon 0761/4968888) sowie bei allen BZ-Geschäftsstellen.

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