Nach Tötungsdelikt an Arzt

Mehr Polizei und vielleicht auch Kameras sollen Offenburg sicherer machen

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Mi, 22. August 2018 um 16:46 Uhr

Offenburg

Vom Innenministerium kommt eine zweite Einsatzgruppe. Damit hat das Polizeirevier 16 Kräfte mehr – aber nur vorübergehend. Derweil prüft Offenburg, ob und wo es Videoüberwachung geben soll.

Das stark belastete Polizeirevier in Offenburg bekommt Verstärkung: Innenminister Thomas Strobl hat angekündigt, dass ab sofort täglich nahezu zwei Einsatzgruppen für eine höhere Polizeipräsenz zur Verfügung gestellt werden. Die Zahl der Einsatzkräfte wächst damit vorübergehend um 16 auf 135. "Das ist eine positive Entwicklung und hilft uns sehr", sagt Revierleiter Peter Dieterle. Die Polizeigewerkschaft GdP fordert unterdessen, diese Stellen dem Polizeipräsidium Offenburg dauerhaft zuzuweisen.

Freude beim Revier

Noch im Februar hat Thomas Strobl die Forderung des Offenburger Gemeinderates nach mehr Polizisten zurückgewiesen. Auslöser war eine Resolution an den Innenminister, in der alle Fraktionen angesichts der Kriminalitätsbelastung in der Stadt eindringlich mehr Personal fürs Polizeirevier gefordert hatten. Eine dauerhafte Verstärkung des stark belasteten Polizeireviers gibt es zwar nach wie vor nicht – aber in den nächsten Wochen immerhin zusätzliche Unterstützung durch eine weitere Gruppe des Polizeipräsidiums Einsatz.

Eine solche Gruppe umfasst acht Beamte: "Das sind sehr erfahrene Kräfte", sagt Peter Dieterle über die Kollegen, die meist von der Bereitschaftspolizei in Bruchsal kommen und regelmäßig auch in anderen Städten mit Brennpunkten im Einsatz sind. Der Revierleiter freut sich über die Verstärkung, auch wenn sie nur temporär ist: "Es unterstützt uns, wir bekommen damit mehr Präsenz in die Stadt." Seine Kollegen werden vor allem in der Kernstadt unterwegs und ansprechbar sein, aber auch Kontrollen vornehmen. Zudem würden Fahrradstreifen des Reviers eingesetzt.

Dunkelfeld aufgehellt

Schon bisher habe sich die Unterstützung bewährt, wie Dieterle erst vor kurzem am Beispiel Pfählerpark deutlich gemacht hat: In nur vier Wochen wurden nach 620 Kontrollen 114 Strafverfahren eingeleitet. 79 davon beziehen sich auf Drogendelikte mit meist deutschen Konsumenten, die sich bei überwiegend gambischen Kleinhändlern eindecken. Gegen drei Gambier und einen Deutschen gab es Haftbefehle. "Wir sind da richtig rein und haben das Dunkelfeld aufgehellt", sagt Dieterle. Dieses Vorgehen werde fortgesetzt. Wie lange es die Verstärkung gibt, ist laut Dieterle offen: Aber klar sei: "Andere Städte haben auch Probleme."

OB prüft Videoüberwachung

Wie der Revierleiter, so freut sich auch Edith Schreiner über die schnelle Reaktion aus Stuttgart. Die OB war persönlich von Strobl über die Verstärkung unterrichtet worden. "Das ist eine gute Nachricht für Offenburg", sagt Schreiner, die nach eigenen Angaben in engem Zusammenwirken mit Polizeipräsident Renter "in den vergangenen Monaten, Wochen und Tagen den Handlungsbedarf in Offenburg in Stuttgart nachdrücklichst dargelegt" hat.

Sie danke Strobl für die schnelle Reaktion: Damit werde der Kriminalitätsbelastung in Offenburg begegnet, aber auch der Verunsicherung in der Bevölkerung. In Kürze werde zudem die Machbarkeit der seitens der Freien Wähler-Fraktion beantragten Videoüberwachung an "Hot Spots" geprüft, kündigte Schreiner an.

Strobl: "Mit aller Härte reagieren"

In einer Presseerklärung machte Thomas Strobl deutlich, dass es im vergangenen Jahr gelungen sei, die vergleichsweise hohe Kriminalitätsbelastung in Offenburg zurückzuführen. Jetzt würden die Anstrengungen weiter intensiviert: "Unsere Aufgabe ist es, den Menschen in der Stadt ein gutes und sicheres Gefühl zu geben."

Auch auf die Ermordung des 51-jährigen Offenburger Arztes ging der Innenminister ein: "Diese schreckliche Tat ist von besonderer Brutalität. Mein ganzes Mitgefühl ist bei der Familie des getöteten Arztes, bei der verletzten Arzthelferin und auch bei den Menschen, die diese fürchterliche Attacke miterleben mussten und mit diesen Eindrücken fortan leben müssen." Den beteiligten Einsatzkräften danke er ausdrücklich für ihre schnelle und erstklassige Ermittlungsarbeit und den prompten Fahndungserfolg.

"Der Rechtsstaat und die Justiz müssen auf diese fürchterliche Tat mit aller Härte reagieren", stellt der Innenminister klar. Mit Blick auf den mutmaßlichen Täter erklärte Strobl weiter:"Es ist klar, es muss allen klar sein: Wer hier lebt, wer hier Schutz sucht, wer dann das Gastrecht mit Füßen tritt – den wird der Rechtsstaat mit aller Klarheit, mit aller Entschiedenheit, ja auch mit aller notwendigen konsequenten Härte sanktionieren."

GdP fordert dauerhafte Verstärkung

Die Bezirksgruppe Offenburg der Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt die Unterstützung durch das Innenministerium, die ihren Forderungen und den Sicherheitsbedenken der Offenburger Rechnung trage. Bezirksgruppenvorsitzender Andreas Heck, erinnert daran, dass die GdP schon seit vielen Jahren mehr Personal fürs Polizeipräsidium Offenburg fordere. Bereits 2014 sei diese Forderung sogar durch eine Kundgebung in der Offenburger Innenstadt massiv zum Ausdruck gebracht worden. "Unsere Forderung ist, diese Stellen dem PP Offenburg in Zukunft dauerhaft zuzuweisen sowie weitere an der Belastung orientierte Personalverstärkungen vorzunehmen. Dafür werden wir auch in Zukunft weiterkämpfen, für unsere Kolleginnen und Kollegen, für die Bürgerinnen und Bürger im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg", so Andreas Heck weiter.
Neuester Stand der Ermittlungen

Bei der Kripo sind nach dem Zeugenaufruf zum Mord an dem 51-jährigen Offenburger Arzt rund zehn hilfreiche Hinweise eingegangen, durch die Erkenntnisse zum Fluchtweg des 26-Jährigen untermauert werden konnten. Das Motiv der Tat liegt laut einer gemeinsamen Presseerklärung des Polizeipräsidiums und der Staatsanwaltschaft weiter im Verborgenen. Der Verdächtige schweige. Ob er zum Tatzeitpunkt unter der Einwirkung von Drogen oder anderer berauschender Mittel stand, werde derzeit noch untersucht. Wie bei Tötungsdelikten üblich, sei ein Sachverständiger mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens beauftragt worden. Es werde geprüft, ob der Mann zur Tatzeit schuldfähig gewesen sei. Der 26-Jährige ist in Haft.

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