Novartis investiert in neue Produktionsanlage

Millionen für den Kampf gegen Krebs

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Mo, 27. August 2018 um 19:54 Uhr

Wirtschaft

Der Basler Pharmariese Novartis investiert massiv in der Region in die Herstellung neuartiger Krebstherapien.

Wie das Unternehmen am Montag bekanntgab, sollen rund 90 Millionen Franken (78,7 Millionen Euro) in den Standort Stein fließen, der gegenüber von Bad Säckingen auf der Schweizer Rheinseite liegt. Damit verbunden ist nach Unternehmensangaben die Schaffung von 450 neuen Arbeitsplätzen in den nächsten drei Jahren.

Von Stein aus sollen Krebspatienten in der EU und der Schweiz versorgt werden. Die CAR-T-Zelltherapie Kymriah (Tisagenlecleucel, früher CTL019) hatte in der vergangenen Woche die Zulassung für zwei Anwendungsgebiete von der EU-Kommission erhalten. In der Schweiz ist das Zulassungsverfahren für die neue Therapie noch am Laufen.

In den USA betreibt Novartis bereits eine Produktionsanlage für Zell- und Gentherapie in Morris Plains im US-Bundesstaat New Jersey. In den USA war Kymriah die erste CAR-T-Zelltherapie, die zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) bei Kindern und Jugendlichen zugelassen wurde. ALL ist eine seltene Form von Blutkrebs, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen auftritt.

Therapie hilft auch Erwachsenen

Mittlerweile kann Kymriah in den USA auch zur Behandlung des großzelligen B-Zell-Lymphoms bei Erwachsenen verwendet werden. Diese Form des Blutkrebs ist der lymphatischen Leukämie bei Kindern ähnlich. Das Basler Unternehmen hat nun die Zulassung für diese Anwendungen auch in der EU erhalten.

"Der heute kommunizierte Entscheid, eine Anlage zur Herstellung zellbasierter Therapien in Stein anzusiedeln, ist ein Beispiel dafür, wie Novartis in der Schweiz in innovative Technologien investiert", sagte Matthias Leuenberger, Länderpräsident von Novartis Schweiz. "Er zeigt auch, wie sich die Produktionslandschaft verändert. Während wir in neue, hochentwickelte Technologien investieren, wird die Bedeutung einiger traditioneller Produktionszweige abnehmen."

T-Zellen sind ein wichtiger Teil des Immunsystems

T-Zellen sind die Polizisten im menschlichen Körper, sagt Professor Michael Lübbert, Oberarzt an der Klink für Innere Medizin I (Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation) an der Uni Freiburg. Sie können Krebszellen angreifen und vernichten. Bei der T-Zellen-Therapie werden die T-Zellen der Patienten scharf gemacht, um die Blutkrebszellen anzugreifen. Dazu wird die Oberfläche der T-Zellen gentechnisch mit einem Molekül versehen, mit dem die T-Zellen an die Krebszellen andocken. Mediziner Lübbert spricht denn auch vom "Schlüssel-Schloss-Prinzip".

Auch die Universität Freiburg ist auf dem Gebiet der T-Zellen-Forschung stark engagiert. "Mit modernisierten Gebäuden und der Eröffnung der neuen Tumorklinik 2019 werden wir noch bessere Möglichkeiten haben, in diesem Bereich zu forschen und Patienten zu behandeln", sagt Lübbert.

An der Uniklinik werde intensiv daran gearbeitet, die T-Zellen-Therapie auch bei anderen Krebsarten anzuwenden – zum Beispiel Lungenkrebs. Dies habe der Ärztliche Direktor der Klinik für Innere Medizin I, Professor Justus Duyster, immer wieder betont.