Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. Juni 2012

Ägypten

Mubaraks letzter Kampf

Ägypter nehmen die Nachricht vom kritischen Zustand des Ex-Präsidenten unterschiedlich auf.

  1. Ein paar verbliebene Anhängerinnen warten vor dem Krankenhaus, in dem Mubarak im Koma liegt. Foto: AFP

KAIRO (dpa). Als in der Nacht zum Mittwoch die Nachricht vom angeblichen klinischen Tod des ehemaligen Langzeit-Präsidenten Husni Mubarak auf dem Tahrir-Platz verkündet wurde, brandete Jubel auf. Sogar ein paar Feuerwerksraketen stiegen hoch. Seit Stunden demonstrierten dort Muslimbrüder und Anhänger der Anti-Mubarak-Bewegung gegen den Obersten Militärrat und die zunehmende Machtkonzentration in dessen Händen.

Der Tahrir-Platz war einst das Epizentrum der Proteste gewesen, die im Februar 2011 den Rücktritt Mubaraks erzwungen hatten. Der Jubel war noch nicht abgeebbt, da erklomm der radikale Salafistenprediger Hasim Abu Ismail das Podium. Die Brüder und Schwestern mögen sich beruhigen, die Nachricht sei eine Lüge. Der Oberste Militärrat wolle damit vom eigenen Putsch ablenken, nachdem er die meisten Vollmachten des aufgelösten Parlaments und des künftigen Präsidenten an sich gerissen hatte. "Wir werden uns die Macht nehmen, die sich der Militärrat selbst gegeben hat, selbst wenn wir dabei sterben müssen", donnerte er. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Kairo lässt der nahende Tod des Mannes, der fast 30 Jahre über sie regiert hatte, eher ungerührt. Mehr als ein von der Pietät diktiertes Mitgefühl erübrigen die meisten nicht. "Er verdient Gottes Gnade", meint der Student Islam al-Raschidi. "Er hat gute Seiten und schlechte Seiten, und leider werden heute allein die schlechten Seiten hervorgehoben", fügt er hinzu.

Werbung


"Es macht keinen Unterschied mehr", sagt der Getränkehändler Atif Abbas aus der Kasr-al-Aini-Straße. "Er war ohnehin schon weg vom Fenster." Bei der Stichwahl um die Neubesetzung des Präsidentenamts nach Mubaraks Abgang hat er, für Ahmed Schafik, den Vertreter des alten Establishments der Mubarak-Zeit, gestimmt. Sollten die konservativ-religiöse Muslimbruderschaft und ihr Präsidentschaftskandidat Mohammed Mursi die Macht übernehmen, befürchtet er eine gewaltsame Islamisierung des Landes. Das Bier, das man bei ihm kaufen kann, hat er in seinen Kühlschränken schon mal sicherheitshalber weit hinter die alkoholfreien Getränke gestellt.

Erst in den vergangenen Jahren vor seinem Sturz wurde Mubarak für die immer wachsende Schar seiner Gegner zur Hassfigur. Die Krankheiten des Landes, die soziale Misere, der unwürdige Umgang der Polizei und anderer Behörden mit den Bürgern, die allgegenwärtige Misswirtschaft und Korruption – all dies wurde nun dem "Pharao" zugeschrieben, bei dem ja tatsächlich alle Macht zusammenlief. Der begründete Verdacht, dass er seinen korrupten Sohn Gamal für eine dynastische Nachfolge vorbereitete, goss noch zusätzlich Öl ins Feuer.

SCHARON NOCH IM KOMA

Israels früherer Premier Ariel Scharon erlitt Anfang 2006 einen Schlaganfall und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Drei Monate später erklärten die Ärzte den Fall für hoffnungslos. Heute befindet sich Scharon noch immer im Koma. Ein Abschalten der lebensnotwendigen Geräte untersagt die jüdische Religion.  

Autor: AFP

Autor: dpa