Der empörende Tod eines Tierschützers

Martin Gehlen

Von Martin Gehlen

Di, 13. Februar 2018

Ausland

Im Iran spielt der Umgang mit der Umwelt eine wachsende Rolle im Machtkampf der Lager.

KAIRO/TEHERAN. Die Familie von Kavous Seyed Emami steht unter Schock. Auf seiner US-Tournee habe ihn die Nachricht vom angeblichen Selbstmord seines Vaters in der iranischen Heimat erreicht. "Das ist einfach unfassbar", twitterte der Punk-Rock-Star Ramin Seyed Emami alias King Raam. "Ich glaube das nicht, wir alle glauben das nicht", schrieb er und verlangte eine Autopsie.

Der Tote, der neben der iranischen auch die kanadische Staatsbürgerschaft besaß, gehörte zu den bekanntesten Umweltexperten des Iran. Er war Gründer und Chef der Persian Wildlife Heritage Foundation (PWHF), einer weltweit respektierten Nichtregierungsorganisation, die sich um bedrohte Arten wie den persischen Leoparden oder den asiatischen Geparden kümmert, von dem noch maximal 50 Tiere leben – alle im Iran.

Am 24. Januar war der 63-Jährige zusammen mit sieben Mitarbeitern vom Geheimdienst der Revolutionären Garden verhaftet worden. Die Justiz wirft ihnen vor, unter dem Deckmantel des Umweltschutzes spioniert, strategische Informationen gesammelt und an Ausländer weitergegeben zu haben. Zwei Wochen später war Kavous Seyed Emami tot, angeblich hatte er sich in seiner Zelle erhängt. Seitdem herrscht in den sozialen Medien der Islamischen Republik helle Empörung. Niemand glaubt der Version der Justiz, zumal ein Mitinsasse einem befreundeten Journalisten die Nachricht zuspielen konnte, der Soziologieprofessor sei von seinem Vernehmungsoffizier erdrosselt worden. Und so wandten sich am Montag führende Akademiker des Iran in einem offenen Brief an Präsident Hassan Ruhani und verlangten Aufklärung über den angeblichen Selbstmord.

Der Tod von Kavous Seyed Emami habe die Gemeinschaft der Wissenschaftler und Umweltaktivisten schockiert, schrieben die Hochschullehrer und nannten, "die Nachrichten und Gerüchte über seine Verhaftung und seinen Tod nicht glaubhaft". Der Tote sei nicht nur ein bekannter Professor, sondern auch ein hervorragender Wissenschaftler und eine einmalige Persönlichkeit gewesen. Das Mindeste, was man jetzt von Präsident Ruhani erwarte, sei eine seriöse Untersuchung. Zudem müssten alle Beteiligten, die für "diesen schmerzlichen Verlust" verantwortlich seien, zur Verantwortung gezogen werden.

In einer ersten Reaktion twitterte ein enger Berater Ruhanis, die Justiz, die als Machtbastion der Hardliner gilt, müsse besser kontrolliert werden. Denn an demselben Samstag war auch der junge Vize-Umweltminister Kaveh Madani verhaftet worden. Nach heftigem Tauziehen hinter den Kulissen kam der 36-Jährige allerdings nach einem Tag wieder frei, wie sein Chef, der Vizepräsident für Umweltfragen, Issa Kalantari, am Montag bestätigte. Beide Politiker gelten als führende Wasserexperten im Iran, die den ökologischen Raubbau unter der Regie der Islamischen Republik offen kritisieren. Entsprechend spielt die Wasserfrage in dem sich zuspitzenden Machtkampf zwischen Moderaten und Hardlinern eine immer wichtigere Rolle. In den Jahresberichten der "Persian Wildlife Heritage Foundation" wurde das Versiegen der natürlichen Wasserquellen als zentrale Bedrohung für einheimische Wildtiere genannt.