Der Irak soll 30 Milliarden Dollar erhalten

Martin Gehlen

Von Martin Gehlen

Do, 15. Februar 2018

Ausland

IS verbreitet weiter Terror.

NIKOSIA/KUWAIT. Rex Tillerson redete der Versammlung ins Gewissen. Das Ende der Militärschlachten bedeute nicht, dass der Islamische Staat endgültig besiegt sei, erklärte der US-Außenminister vor den 2400 Teilnehmern der Irak-Geberkonferenz in Kuwait. Während auf dem syrisch-irakischen Schlachtfeld die ehemaligen Anti-IS-Koalitionäre aufeinander losgehen, reorganisiert sich die Terrormiliz im Irak. 90 Milliarden Dollar (73 Milliarden Euro) braucht Bagdad, so rechnete die Regierung am Montag vor, um das Land nach drei Jahren Terrorkalifat wieder aufzubauen. Doch nach der Konferenz überwog die Enttäuschung. Auch wenn die zugesagten 30 Milliarden Dollar beträchtlich aussehen – an direkten Aufbauhilfen kamen kaum mehr als fünf Milliarden zusammen, das meiste aus den Taschen der Golfstaaten. Viele Regierungen beschränkten sich auf die Zusage langfristiger Kreditlinien. Die Türkei und Großbritannien stellten bis 2028 zusammen 15 Milliarden Dollar in Aussicht.

Ein korrupter Staat

"Jeder hier im Saal hat die Möglichkeit, dem Irak auf seinem neuen Weg zu helfen", warb Rex Tillerson, räumte aber ein, Geschäfte im Irak zu machen, sei nicht einfach. Nach einer Bilanz des Nationalparlaments versickerten seit der US-Invasion 2003 rund 228 Milliarden Dollar für 6000 Phantomprojekte in den Taschen korrupter Politiker und Bürokraten. Auch die Konflikte zwischen den religiösen und ethnischen Bevölkerungsteilen, die den Dschihadisten 2014 in den sunnitischen Gebieten Tür und Tor öffneten, sind ungelöst. Städte wie Mosul, Tikrit, Ramadi und Falludscha sind zerstört. 2,5 Millionen Sunniten leben in Zeltlagern.

Gleichzeitig versucht die IS-Terrormiliz nach dem Ende ihres Kalifates ein Comeback. In der Provinz Diyala, in der Umgebung von Mosul und in der Region Anbar gingen seit November mehr als 440 Bombenattentate, Mordanschläge sowie Entführungen auf das Konto des IS. In Dörfern westlich von Mosul hielt die Terrormiliz laut Augenzeugen Anfang Januar sogar eine Art Militärparade ab.