Ein gefährlicher Vorwurf

Martin Gehlen

Von Martin Gehlen

Fr, 11. Januar 2019

Ausland

Ägyptens Staatssicherheit behauptet, ein verhafteter Schüler aus Gießen habe Terrorkontakte .

KAIRO/TUNIS. Von dem 18-jährigen Gymnasiasten Isa El Sabbagh aus Gießen, der vor mehr als drei Wochen in Luxor spurlos verschwunden ist, gibt es ein erstes Lebenszeichen. Nach Angaben seines Vaters Mohamed El Sabbagh habe das Auswärtige Amt ihm am Donnerstag mitgeteilt, sein Sohn sei in Haft. Die ägyptische Staatssicherheit werfe ihm vor, er stünde mit Terroristen in Kontakt. Das Auswärtige Amt in Berlin verwies auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen und nahm zu dieser Information keine Stellung. Die Familie des Jungen vermutet eine Racheaktion, weil der Vater im Internet mehrfach das Regime von Präsident Abdel Fattah al-Sisi kritisiert hat. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerten die Eltern die Befürchtung, ihr Sohn könnte gequält und gefoltert werden.

Sollte sich die Information über den Terrorvorwurf bestätigen, könnte das für den Oberschüler, der aus einer deutsch-ägyptischen Familie stammt, sehr gefährlich werden. Nach den derzeitigen Gepflogenheiten der ägyptischen Justiz kann dies eine lange Untersuchungshaft und eine drakonische Haftstrafe bedeuten.

Zuvor hatten die Behörden am Nil am Montag erstmals offiziell bestätigt, dass sich auch der seit dem 27. Dezember verschwundene Student Mahmoud Abdel Aziz aus Göttingen in ihrem Gewahrsam befindet. Dem deutschen Konsulat jedoch wird bisher trotz intensiver Bemühungen ein Besuch des 23-jährigen Gefangenen verweigert. Sein Vater Amr Abdel Aziz vermutet, dass sein Sohn misshandelt wurde, und die deutschen Diplomaten ihn in diesem Zustand nicht sehen sollen. Nach ihm vorliegenden Informationen will Ägypten den Verhafteten nach Deutschland abschieben, wenn er seine ägyptische Staatsbürgerschaft ablege. Obwohl Mahmoud Abdel Aziz nur einen deutschen Pass besitzt, betrachten ihn die Behörden am Nil als ägyptischen Staatsbürger, weil sein Vater Ägypter ist.

Nach dessen Auskunft begann sein Sohn im Jahr 2014 mit einem Studium an der Al-Azhar-Universität in Kairo und durfte damals aus Ägypten zunächst nicht ausreisen, weil er keine offizielle Befreiung von der Wehrpflicht vorlegen konnte. Mahmoud Abdel Aziz braucht in Ägypten keinen Wehrdienst leisten, weil er eine deutsche Mutter hat. Dies muss er sich jedoch von den Behörden am Nil offiziell bescheinigen lassen, wenn er länger als sechs Monate im Land bleibt. Nachdem das Zertifikat nachgereicht worden war, konnte der junge Mann seinerzeit ohne Probleme Ägypten verlassen. Derweil studiert er Islamwissenschaften an der saudischen Universität Medina.