Bernhard H. in Italien gefasst

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Sa, 08. September 2018

Südwest

Eine Woche nach Rückkehr der lange verschwundenen Maria H. geht den Fahndern deren ursprünglicher Begleiter ins Netz.

FREIBURG. Fahndungserfolg im Fall Maria H.: Die italienische Polizei konnte Bernhard H. festnehmen, der vor fünfeinhalb Jahren mit der damals 13-jährigen Freiburger Schülerin untergetaucht war. Gegen den 58 Jahre alten Mann aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen besteht ein internationaler Haftbefehl wegen Kindesentziehung und sexuellem Missbrauch von Kindern. Maria H. war am vorvergangenen Freitag zu ihrer Familie zurückgekehrt. Sie hat sich nach eigenen Angaben über mehrere Jahre in Italien aufgehalten.

Die Freiburger Polizei hat am Freitagmittag die Verhaftung von Bernhard H. in Italien gemeldet, hielt sich ansonsten aber mit Details bedeckt. Auch den Ort der Festnahme wollte die Polizei nicht preisgeben. Die konkreten Umstände seien noch nicht bekannt, hieß es in einer Pressemitteilung. "Wir sind selbst sehr überrascht", sagte Polizeisprecherin Laura Riske auf Nachfrage der Badischen Zeitung. Weitere Informationen kündigte sie für den kommenden Montag an.

Die Festnahme steht offenbar in keinem direkten Zusammenhang mit den Aussagen von Maria H. gegenüber der Kripo. Die Rückkehrerin war am Mittwoch von einem Ermittler in der Wohnung der Mutter verhört worden. Möglicherweise hat aber die Berichterstattung über den Fall, der auch in den italienischen Medien ein Thema war, auf die Spur des gesuchten Mannes geführt.

Der Polizei hatte Maria H. berichtet, dass sie nichts über den aktuellen Aufenthaltsort von H. wisse. Sie will schon im Sommer/Herbst 2013 von ihm weggelaufen sein – auf einer der ersten Stationen des gemeinsamen Untertauchens in Gorlice im Süden Polens. Der Grund sei gewesen, dass sich "das Verhalten von Herrn H. nach unserer Flucht täglich verschlechterte", wie sie am Donnerstag in einem Post bei Facebook erklärte. In Gorlice waren auch das Auto von Bernhard H. und der Schäferhund gefunden worden.

Maria H. will danach alleine drei Monate mit Zelt und Fahrrad durch Osteuropa gereist sein. Drei Monate später sei sie nach Italien gekommen, wo sie nach ihren Angaben seither allein gelebt hat. Sie will sich mit Gelegenheitsjobs wie Fensterputzen finanziert haben. Vor zwei Jahren habe sie sich eine eigene Wohnung gemietet. Nach der Festnahme von Bernhard H. eben in Italien steht nun ein Fragezeichen hinter diesen Aussagen.

Die Polizei hatte am Freitag keinen neuen Kontakt zur 18-Jährigen. Die Ermittler wollen nun erst einmal die Aussagen des festgenommenen Tatverdächtigen abwarten. Es wird einen Auslieferungsantrag geben, die Überstellung dauere aber auch innerhalb von EU-Ländern in der Regel mindestens einen Monat, so Polizeisprecherin Riske.

Der Elektriker Bernhard H. und Maria L. hatten sich 2012 in einem Internetchat kennengelernt. Dort gab sich der heute 58-Jährige zunächst als Teenager aus. Als seine wahre Identität und sein Alter bekannt waren, kam es zu Treffen in Freiburg. Die eigene Ehefrau hatte H. angezeigt, nachdem sie ihn zuvor aus dem Haus geworfen hatte. In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 2013 tauchte der Mann mit Maria H. unter. Es gab danach nur noch wenige konkrete Spuren. Die beiden waren einmal in einem Restaurant in der Slowakei und dann eben später im polnischen Gorlice gesehen worden.

In der vergangenen Woche hatte Maria ein Lebenszeichen gegeben. Sie konnte dann von Freunden der Familie in Mailand abgeholt werden, wo sie am Busbahnhof wartete. Am Donnerstag schrieb sie auf Facebook, dass sie nach ihrem 18. Geburtstag, als sie sich in Sicherheit wusste, über die Ermittlungen informiert habe. "Dabei wurde mir bewusst, wie sehr meine Familie nach mir sucht und ich konnte es vor schlechtem Gewissen nicht mehr aushalten." Der Post mit dem Statement der jungen Frau war am Freitag auf Facebook nicht mehr einsehbar.