"Jesus hat auch verrückte Sachen gemacht"

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Mi, 14. Februar 2018

Neuenburg

Wenn Kirche und Fastnacht aufeinandertreffen: eindrucksvolle Narrenmesse in der Neuenburger Liebfrauenkirche.

NEUENBURG AM RHEIN. Voll bis auf den letzten Platz war die Liebfrauenkirche anlässlich der Narrenmesse am Fasnachtssonntag. Ausdrücklich erwünscht war närrische Kleidung – ob Häs oder Fantasiekostüm. Die Stadtmusik Neuenburg, der Fahnenträger der Rhiischnooge und die Kinder und Jugendlichen des Narresome-Chores zogen unter den Klängen des Narrenmarsches feierlich in die Kirche ein. Pfarrer Dieter Maier begrüßte die Gemeinde im Namen des Herrn und auch mit dem Narrengruß der Rhiischnooge: "Schnoog. Schnoog – Quak. Quak!" Als frommer Narr hielt er eine gesalzene Predigt in Bütten-Reimen. Vor dem Altar hatten die verschiedenen Narrenzünfte ihre Traditionsmasken abgelegt.

Es war für die närrische Gemeinde eine denkwürdige Messe, die trotz der fröhlichen Stimmung und des immer wieder aufbrandenden Applauses bei den musikalischen Darbietungen und der pfiffigen "Büttenrede" des Pfarrers nichts an der Erhabenheit der Liturgie vermissen ließ. "Die Fasnacht", betonte Pfarrer Maier, sei "ein Kind Gottes" und außerdem sei "die Kirche groß genug für alle".

Dass gerade die Narren sich auch einmal verrückt aufführen dürfen, wurde gleich zu Beginn mit einer Art Sketch klargemacht. Zwei Närrinnen positionierten sich im Mittelgang und begannen damit, einige der Messebesucher in den Kirchenbänken "zu verrücken"; denn schließlich habe "Jesus auch verrückte Sachen gemacht". Dagegen konnte auch der Pfarrer nichts einwenden.

Die mit Spannung erwartete Fasnachtspredigt hatte Pfarrer Maier in Knittelreime gefasst. Er freue sich über den guten Besuch der Narrenmesse, so Maier, stelle aber fest, "dass viele Narren" an normalen Sonntagen "nicht in den Bänken harren". Aber schließlich seien "wir alle Narren im Herrn".

Dann ließ er das vergangene Kirchenjahr in närrisch-lustiger aber auch nachdenkenswerter Weise Revue passieren. Dabei teilte er Lob, Dank und berechtigten Spott und Tadel aus. So lobte er alle diejenigen, die in der Seelsorgeeinheit gute kirchliche und ehrenamtliche Arbeit verrichten, wie unter anderem die rührige "Obernärrin", Organistin und Chorleiterin Elfriede Hüttlin oder auch die Kolpingfamilie, die im vergangenen Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feierte. Dass Papst Franziskus ein gutes Kirchenoberhaupt ist, sei bekannt, doch leider gäbe es auch Beklagenswertes zu vermelden. So habe der Freiburger Erzbischof Stephan Burger derzeit ein Problem, denn ein Pfarrer habe Geld unterschlagen. Auch dass die Seelsorgeeinheit, die er zu betreuen habe, viel zu groß sei, ließ Maier nicht unerwähnt. Viele Kilometer müsse er mit seinem Auto zurücklegen, um alle Termine einzuhalten. Er hoffe aber, dass er auch in Zukunft "auf Euch alle bauen" könne.

Wer aus der Kirche austrete, den würde er bei der nächsten Fasnacht "eigenhändig rausschmeißen". Eine Drohung, die aber wohl nicht wirklich ernst gemeint war und viel Gelächter hervorrief. Dann erstaunte Pfarrer Maier die Messebesucher, indem er aus seinen Händen einen Trichter formte und auf diesem "Naturinstrument" das Badener Lied blies. Nicht lange, und die Musikanten der Stadtmusik und die Gemeinde fielen im Chor in den Traditionsmarsch ein.

Bei den Fürbitten ging es darum, dass Gott den Menschen dabei behilflich sein möge, manches in ihrem Leben "zu verrücken". Wie die gesamte Messe waren auch Gabenbereitung und Eucharistie begleitet vom feinen Klang der vielen Glöckchen an den traditionellen Häs. Sogar die Ministranten trugen unter ihrem Habit Buntes zur Schau, und Pfarrer Maier hatte sich zum Priestergewand eine schöne große Narrenfliege umgehängt. Selbst der Pfarrgemeinderat zeigte sich im Narrenkostüm.

Die Kinder und Jugendlichen des Narresome-Chores in ihren bunten Kostümen, geleitet und am Elektroklavier begleitet von Elfriede Hüttlin, erfreuten die närrische Gemeinde mit vielen gut einstudierten Liedern – ein Ohrenschmaus und eine Augenweide zugleich. So feierlich wie der Einzug war auch der Auszug von Pfarrer, Ministranten, Chor und Stadtmusik aus der Kirche nach dem Segen, wobei zur Freude der Gemeinde noch eine Ehrenrunde gedreht wurde.

Fazit: Fasnacht und frommer Glaube stehen nicht zueinander im Widerspruch, sondern können sich – wie diese Narrenmesse bewies – auf wunderbare Weise ergänzen.