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17. Oktober 2017 19:57 Uhr

Schrottreaktor

Notstromgeneratoren in Fessenheim waren nicht erdbebensicher

Offenbar war das Atomkraftwerk in Fessenheim bislang nicht so gut gegen ein mögliches Erdbeben gerüstet, wie der französische Stromkonzern Electricité de France (EdF) stets behauptet hat.

  1. Nach Block 1 sollen auch die Notstromgeneratoren im zweiten Block des Akw Fessenheim bald nachgerüstet werden. Foto: Siegfried Gollrad

EdF hat nun nachträglich öffentlich gemacht, dass während eines Stopps zwischen Juli und Oktober dieses Jahres die Verankerung der Dieselgeneratoren in Reaktor 1 verstärkt werden musste.

Jeder der beiden Reaktoren verfügt über zwei Notgeneratoren. Sie sollen nach einem Unfall die Stromversorgung übernehmen und damit die Funktion der Reaktoren sichern. Eine Akw-Sprecherin erklärte am Dienstag, die betreffenden Notstromdiesel seien Teil der Ursprungsausrüstung des Akw.

EdF zufolge wurde die Verankerung der Rohre und Pumpen im Boden inzwischen nachgebessert. Einen solchen Nachbesserungsbedarf hatte EdF im Juni zunächst bei seinen Reaktoren der 1300-Megawatt-Klasse festgestellt. Im Anschluss habe man auch die kleineren Anlagen wie Fessenheim (zweimal 900 Megawatt) überprüft.
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Während der Nachrüstung im Sommer hatte EdF nur kommuniziert, in Block 1 werde ein Teil des Brennmaterials ausgetauscht. Allerdings ist es tatsächlich üblich, bei solchen geplanten Stillständen Wartungen und Reparaturen vorzunehmen. Der gesamte Vorgang ist insofern erstaunlich, als Atomkraftexperten und Umweltverbände Fessenheim von Beginn an für ein unzumutbares Risiko im potenziellen Erdbebengebiet Oberrhein gehalten haben. An EdF ist die Kritik stets abgeperlt.

Methode zur Risiko-Kalkulierung veraltet?

Axel Mayer, Geschäftsführer des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) Südlicher Oberrhein und Atomkraftgegner der ersten Stunde, findet es deshalb "erschreckend, dass solche sicherheitsrelevanten Mängel erst nach vielen Jahrzehnten bemerkt und behoben werden". Der Trinationale Atomschutzverband am Oberrhein (Tras) bemängelte zuletzt vor zwei Wochen, Fessenheim sei schlecht gegen die Folgen eines Erdbebens geschützt und die Methode zur Kalkulierung der Schutzvorrichtungen gegen Erdstöße veraltet.

Beim Bau von Fessenheim wurde das bis dahin stärkste Beben in der Region als Bezugspunkt genommen: jenes Beben, das am 18. Oktober 1356 Basel zerstörte. Laut Schweizerischem Erdbebendienst soll es eine Stärke von 6,6 erreicht haben. Das Beben im japanischen Fukushima 2011 hatte eine Stärke von 9,0.

In Fessenheim sollen auch die beiden Notstromgeneratoren im Block 2 bald nachgerüstet werden. EdF hofft, den Reaktor bis Ende Januar des nächsten Jahres wieder in Betrieb nehmen zu können. Im Raum steht nach wie vor eine endgültige Stilllegung der beiden Reaktoren bis Ende 2018 oder Anfang 2019.

Autor: Bärbel Nückles