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05. Juli 2010 11:23 Uhr

Fussball-WM

Offenburg feiert: Public Viewing ohne harten Alkohol

Fußballfest ohne Alkoholexzesse? Das funktioniert. "Was wir tun, hat Modellcharakter", sagt Hugo Haag vom Stadtmarketing in Offenburg, wo beim Public Viewing auf harten Alkohol verzichtet wird. Was sind die Folgen?

  1. Beste Laune beim öffentlichen Fußballschauen auf dem Offenburger Marktplatz bei Spielen der deutschen Elf – solange sie gewinnt. Foto: Robert Ullmann

  2. Party, Party und noch mal Party... Foto: Robert Ullmann

OFFENBURG. König Fußball regiert: 3500 Zuschauer – wohl hitzebedingt nicht mehr – haben am Samstag auf dem Marktplatz das 4:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien erlebt. Die Stimmung war bestens, Zwischenfälle gab es nicht, die Sicherheitskräfte hatten wenig zu tun während des Spiels – wobei der Sieg der Deutschen aufgrund der Autokorsos für die Polizeibeamten ein "Nachspiel" hatte. Aber auch hier gab es keine negativen Schlagzeilen. Zu tun hatten freilich die Helfer vom Roten Kreuz.

Thorsten Hansert vom DRK, der an diesem Nachmittag für den Einsatz beim Fußballgucken zuständig war, vermeldete dreizehn durch die Hitze verursachte Fälle von Kreislaufschwäche. Das sei angesichts der Witterung im Rahmen, so Hansert. Dies auch deshalb, weil es erlaubt war, alkoholfreie Getränke mit auf den Platz zu nehmen. Wie Hansert erläuterte, waren zu jeder Zeit mehrere Zweier-Patrouillen auf dem Platz unterwegs, ausgerüstet mit Notfallmaterial und mit Sprechfunk. Die Personen mit Kreislaufschwäche bekamen einen Ruheplatz in einem kühlen Erdgeschossraum des Rathauses. Hansert: "Zehn bis 15 Minuten Ruhe und gut zu trinken, mehr war meist nicht nötig."

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Fast keine Zwischenfälle auf dem Marktplatz

Auch seitens des Ordnungsdienstes kam die Meldung: "Alles ruhig, keine Zwischenfälle." Dass der eine oder andere versuche, ein bisschen Alkohol mit auf den Platz zu schmuggeln, gehöre zum Geschäft, erklärt Adem Kara vom in Offenburg eingesetzten Sicherheitsdienst. Kara: "Wir klären das höflich, aber bestimmt, und die Leute akzeptieren das Verbot auch." Dass es auf dem Platz keinen harten Alkohol gebe, wirke sich positiv aus: "Bei Vorkommnissen spielt der Alkohol fast immer eine Rolle." Man habe diese Weltmeisterschaft über aber kaum Zwischenfälle gehabt.

Hugo Haag vom Stadtmarketing freut sich über solche positiven Rückmeldungen. "Wir sind im Moment noch der einzige Veranstalter, der das macht. Aber ich bin überzeugt, dass sich bei der nächsten WM in vier Jahren viele unserem Konzept anschließen werden. Was wir hier tun, hat Modellcharakter."

Auch das Eintrittsgeld ist kein Problem

Dass die Fußballfans – auch die jüngeren – die zwei Euro Eintrittsgeld akzeptieren, freut ihn. "Das zeigt, dass unsere Fans vernünftig sind." Er sei restlos begeistert, sei Haag. Nicht nur vom tollen Spiel der deutschen Mannschaft, sondern auch vom Verhalten der 3500 Besucher auf dem Marktplatz. Die Stimmung sei super, und es gebe keinen Streit. Haag freut sich, dass das Fest mit den deutschen Kickern weitergeht und erwartet ein Finale gegen die Niederlande – mit offenem Ausgang. Die Holländer schätzt er sehr stark ein: "Und sie wären auch einmal dran, den Titel zu gewinnen."

Die überwiegende Anzahl der Gäste sieht das anders, und der weltmeisterliche Auftritt der deutschen Kicker am Samstag scheint ihnen recht zu geben. Die Gruppe um Dominik und Daniel – alle sind in bunt anmutendes Schwarz-Rot-Gold gekleidet – jedenfalls kennt den kommenden Titelträger: Jogis Jungs. Zur Halbzeit gehen die Tipps gegen Argentinien noch in Richtung zwei zu null oder drei zu eins. "Aber wir gewinnen auf jeden Fall."

Wimpern in Schwarz-Rot-Gold

Es bereitet richtig Freude bei diesem Fußball-Fest, wie die deutschen Nationalfarben in etwas Bunt-Exotisches verwandelt werden. Da gibt es Fans mit schwarz-rot-goldenen Sonnenschirmchen auf einem schwarz-rot-goldenen Hut. Fahnen gibt es sowieso in allen Größen. Dazu Trikots, Schals, Schirmmützen, Perücken in den Nationalfarben. Ein Fan hat kleine Deutschland-Flaggen zu Drachenschwänzen gebunden und trägt sie rechts und links am Ohr wie Zöpfe, zu seiner Deutschland-Perücke. Wahres Fantum zeigt auch bei einer jungen Dame, die ihre Wimpern in Schwarz-Rot-Gold getuscht hat.

Zum Freund und Helfer wurde einmal mehr die Feuerwehr, die von Zeit zu Zeit kühlende Duschen verabreichte, so dass die Videoleinwand für Momente hinter einem Sprühregen verschwand. Weniger erfreulich: Dass schwitzende Fans den Notruf 112 blockierten, weil sie per Handy die nächste Dusche anforderten.

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Autor: Robert Ullmann