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13. Juli 2011 08:15 Uhr

Ökobau

Passivhäuser stellen die Feuerwehr vor neue Herausforderungen

In Freiburg gibt es immer mehr Passivhäuser. Auch öffentliche Einrichtungen werden nach diesen neuesten Standards errichtet. Gerät ein Passivbau in Brand, steht die Feuerwehr vor neuen Herausforderungen – wie jüngst beim Kindergartenbrand im Stadtteil St. Georgen.

  1. Für den Kindergarten gab es keine Rettung. Foto: Thomas Kunz

  2. Ralf-Jörg Hohloch Foto: Brigitte Sasse

"Wir werden mehr Vollbrände bekommen", fürchtet Ralf-Jörg Hohloch, Chef des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz. Die Feuerwehr stellt sich durch gezielte, praxisnahe Übungen auf die veränderten Gegebenheiten ein.

Das Beispiel St. Georgen zeigt, was bei einem Feuer wie in dem in Passivbauweise und als Holzständerbau errichteten Kindergarten passieren kann: Die Feuerwehr aus St.Georgen, früh am nächtlichen Einsatzort angekommen, sah sich beim Versuch, das Feuer im brennenden Gebäude zu bekämpfen, einer immens großen Wärmeausgesetzt. "Die hohe Temperatur erkennt man an der besonders hellen Flamme", berichtet Feuerwehrchef Hohloch, der in der Brandnacht vor zweieinhalb Wochen den Einsatz geleitet hat. 1000 bis 1200 Grad Celsius heiß war es im Inneren des Brandherdes. Die Feuerwehrschutzkleidung ist nur für Temperaturen bis zu 800 Grad ausgelegt. "Normale" Brände erreichen meist "nur" Temperaturen von 600 Grad.

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Das hänge, so der Brandschutz-Experte, eben mit der Passivbauweise zusammen. Bersten in einem normalen Gebäude bei einem Brand nach kurzer Zeit die Fensterscheiben, kann dies durch die Mehrfachverglasung bei einem Passivbau nicht passieren. Im Gegenteil: Weil das gesamte Gebäude dicht abgeschlossen ist, kann es sich wie ein Ofen aufheizen. Es dauert darum viel länger, bis ein Feuer von außen zu sehen ist und bemerkt wird.

"Das Problem ist auf dem Schirm und gehört auch zum Spektrum der Ausbildung", berichtet der für die Feuerwehr zuständige Erste Bürgermeister Otto Neideck. Reiner Ullmann, Chef der Freiwilligen Feuerwehr in Freiburg, verweist auf die Wärmeerzeugungsanlage im regionalen Ausbildungszentrum der Feuerwehr in Eschbach, bei dem sich die Feuerwehrangehörigen mit der Wirkungsweise unterschiedlicher Temperaturen bei Bränden vertraut machen können.

Eine weitere Schwierigkeit beim Passivbau-Kindergarten zeigte sich noch zehn Stunden nach dem Ausbruch des Brandes: Da mussten die Feuerwehrleute noch immer hartnäckige Glutnester löschen, die sich in den dicken Dämmschichten des Daches festgesetzt hatten.

Was kann die Feuerwehr anders machen? Nicht viel, sagen die Experten. "Wir haben bei der Nachsprechung festgelegt, künftig in solchen Fällen noch schneller auf die Gefahrenquelle zuzugehen", so Feuerwehrchef Hohloch. Dafür können die Besitzer von Passivbauten aktiv werden. Die Feuerwehr empfiehlt dringend, in den Räumen Rauchmelder zu installieren.

Geholfen hätte in dem von einem Brandstifter heimgesuchten Kindergarten aber vor alle im eine Einbruchs- und Brandmeldeanlage, die allerdings nicht vorgeschrieben ist. Die Kosten für eine solche Anlage liegen bei etwa 20.000 Euro, dazu monatliche Kosten von 190 Euro.

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Autor: Joachim Röderer