Politisches Momentum

Daniel Weber

Von Daniel Weber

So, 25. Februar 2018

Südwest

Der Sonntag Es gibt Signale für den Lückenschluss der Bahnstrecke zwischen Freiburg und Colmar.

Eine direkte Zugverbindung zwischen Freiburg und Colmar existiert seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Damals wurde in Breisach eine Brücke zerstört. Heute, im Zusammenhang mit der Stilllegung des Atomkraftwerks in Fessenheim, hat der Wiederaufbau der Verbindung politisches Momentum.

Mehrere große Schaubilder, Fotos und historische Streckenpläne im DIN-A3-Format, allesamt sorgfältig einlaminiert, dazu Flyer und Flugzettel. Auf dem kleinen Tisch, an dem in dieser Woche der Verein Trans Rhin Rail (TRR) in Freiburg ein Pressegespräch abhielt, türmte sich das Infomaterial der Befürworter einer Zugverbindung zwischen Freiburg und Colmar. "Solch eine politische Unterstützung wie derzeit, gerade in Frankreich, hat es bislang nicht gegeben", sagte der TRR-Vorsitzende Patrick Kerber zum Grund der Einladung.

Er bezog sich damit auf die vergangenen Monate, in denen es immer wieder positive Signale gab für den Wiederaufbau der Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Breisach, die 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht gesprengt wurde – deutsche Soldaten hatten die Brücke zuvor wieder aufgebaut, nachdem französische Truppen sie 1939 zu Kriegsbeginn zerstört hatten. Auf den Fundamenten liegt heute die Autobrücke, die Breisach mit der französischen Nachbarseite verbindet. Gleise links und rechts des Rheins liegen noch.

Rund 20 Kilometer entfernt steht das Atomkraftwerk Fessenheim, das wohl tatsächlich in nicht allzu ferner Zukunft abgeschaltet werden soll. Im Zuge dessen will die französische Politik sogenannte Kompensationsmittel in die Region geben. Überlegt ist etwa ein Industriepark, der dann wiederum an eine Zuglinie angeschlossen werden soll. Ebenjene, die dann Freiburg beziehungsweise Breisach wieder direkt mit Colmar verbinden soll.

Als im Herbst vergangenen Jahres der französische Präsident Emmanuel Macron zur Einweihung der ersten deutsch-französischen Museums- und Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg an den Hartmannsweilerkopf ins Elsass kam, stellte ihm Brigitte Klinkert, die Präsidentin des Départements, die Idee vor. Macron schien angetan, gerade weil die Eisenbahnbrücke die letzte ihrer Art zwischen Frankreich und Deutschland ist, die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht in ihrer eigentlichen Funktion wieder aufgebaut wurde. Paris hat das Thema seither im Blick.

Der Elysée-Vertrag 2.0 spielt auch hinein

Auch das Regierungspräsidium Freiburg befürwortet es, wie Klaus Schüle erzählt. "Wir unterstützen das aus Überzeugung", so der stellvertretende Leiter der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. "Wichtig ist aber, dass der politische Wille in Frankreich da ist." Dafür mehren sich laut Schüle schon länger die Zeichen. Auch der Elysée-Vertrag 2.0 zähle dazu, bei dem grenzüberschreitende Initiativen und das Thema Mobilität die wichtigsten Eckpfeiler seien.

Aktuell gibt es zudem eine Studie zu einer Schnellbusverbindung zwischen Freiburg und Colmar. "Das ist ein Zwischenschritt, das eigentliche Ziel ist die Bahnlinie, für die möglichst 2018 eine politische Grundsatzentscheidung getroffen werden soll", betont Schüle. Breisachs Bürgermeister Oliver Rein nennt es auf Nachfrage einen "Appetizer für den grenzüberschreitenden ÖPNV". Rein, Bürgermeister seit 2006, rührt seit Jahren die Werbetrommel für den Bau einer neuen Brücke, die Stadt Breisach hat Studien finanziell mit angeschoben. "Auch wenn es vielleicht nicht mehr in meiner Amtszeit sein wird, bin ich mir sicher, dass ich auf dieser Linie noch in einem Zug sitzen werde."

Die Voraussetzungen dafür seien in jedem Falle gegeben, so lässt sich das Pressegespräch des Vereins TRR zusammenfassen, an dem auch Hannes Linck, südbadischer Geschäftsführer des Verkehrsclubs Deutschland, und Herrmann Krafft vom Landesnaturschutzverband teilnahmen. Patrick Kerber erzählte von den positiven Signalen aus der französischen Politik, Krafft betonte die Bedeutung für die deutsch-französische Freundschaft, und Linck präsentierte Zahlen. 20 000 Menschen überqueren demnach täglich bei Breisach die Grenze. Rund 2 000 Passagiere bräuchte es, damit sich die Verbindung wirtschaftlich lohnen würde. "Wenn man den Leuten eine attraktive Bahn bietet, nutzen sie diese auch", so Linck.

Und schneller von Freiburg nach Colmar käme man mit dem Zug ebenso, wie Linck vorrechnete: Mit dem Bus bräuchte man inklusive Umsteigen anderthalb Stunden, mit der Bahn wäre man per Direktverbindung aus Freiburg innerhalb von 45 Minuten in Colmar.