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04. Februar 2012 11:27 Uhr

Streckenführung

Rheintalbahn: Weichen für die Bürgertrasse sind gestellt

Der Bund wird beim Ausbau der Rheintalstrecke den südbadischen Bürgerinitiativen einen großen Schritt entgegenkommen. Die gewünschte Bürgertrasse soll kommen.

In einem Gespräch im Bundesverkehrsministerium in Bonn habe ihm Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle die entsprechende Zusage erteilt, ließ der Sprecher der Bürgerinitiative MUT, Roland Diehl, am Freitag mitteilen. Seit zehn Jahren fordern die 7000 Mitglieder von MUT (Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse) die Überarbeitung der von der Bahn vorgeschlagenen Trassenführung. "Die Bahn hat eine Lösung auf Basis der Bürgertrasse vorgeschlagen", bestätigte Staatssekretär Scheurle später.

Die Bahn will die Gleise zwischen Mengen und Buggingen vorwiegend auf einem Damm verlegen, flankiert von Lärmschutzwänden. Die MUThingegen fordert, die Neubaustrecke entweder in einen Tunnel oder in eine gedeckelte Tieflage zu führen. Bei der Wiedereinfädelung der beiden Neubaugleise auf die alte Trasse ist zudem eine etwas geänderte Linienführung vorgeschlagen. Die Trasse rückt etwas weg von Heitersheim, Seefelden und Buggingen. Im Herbst 2010 hatte das Regierungspräsidium Freiburg als Anhörungsbehörde die alten Bahnpläne in diesem Abschnitt als nicht genehmigungsfähig erklärt. Seither wird zwar weiter an den Plänen gefeilt, aber zuletzt war wenig Bewegung erkennbar.

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"Wir wollen kein Groß-Eimeldingen in der Region" Roland Diehl
Den Durchbruch brachte wohl der Besuch von Scheurle in der Region im Dezember. Bei dieser Gelegenheit hat sich der Staatssekretär davon überzeugt, dass die Bürger die Antragstrasse nicht akzeptieren werden und dass der Alternativvorschlag eine ernste Prüfung wert ist. Soll sich der viergleisige Ausbau nicht weiter verzögern, müsse in diesem Streckenabschnitt endlich etwas vorangehen. Scheurles letzter Vorschlag: Zusätzliche Lärmschutzwände entlang der Strecke – am Ende wären es 33 Kilometer Wand gewesen. "Wir wollen kein Groß-Eimeldingen in der Region", sagte Diehl. In Eimeldingen könne man sehen, wie es nicht gemacht werden darf. Eimeldingen mit seinen Lärmschutzwänden quer durch den Ort ist der Sündenfall für die gesamte Ausbaustrecke.

Bei seinem Gespräch im Ministerium habe ihm Scheurle erklärt: "Wir werden die Bürgertrasse bauen." Lediglich beim Bau der Grünbrücken forderte er ein Entgegenkommen der Region. Auf etwa 50 Millionen Euro sind die Kosten dieser Querungen für die Landwirtschaft wie für die Tiere veranschlagt, einen Teil der hierdurch entstehenden Zusatzkosten müsse man einsparen. "Das ist ein wesentlicher Bestandteil der Bürgertrasse, das wollen wir nicht aufgeben", sagt Diehl. Entsprechend müsse man sich in den nächsten Tagen innerhalb der Bürgerinitiativen darüber noch einmal verständigen.

Die Mehrkosten für die Alternativtrasse belaufen sich nach unterschiedlichen Angaben auf 150 bis 250 Millionen Euro. "Die Mehrkosten müssten sich Bund und Land hälftig teilen", erklärte Scheurle. "Jetzt ist das Land am Zug." Das Land hat sich in der Vergangenheit bereit erklärt, bis 50 Prozent der Mehrkosten zu übernehmen. Am Freitag wollte sich das Verkehrsministerium dazu nicht äußern. Es habe aufgrund von Terminproblemen noch keine Gelegenheit bestanden, das Thema koalitions- wie auch regierungsintern zu beraten. Zudem sei ausgemacht gewesen, diese Themen bis zur nächsten Sitzung des Projektbeirates am 5. März zu behandeln. An diesem Tag sollte der Vorschlag dann beschlossen werden.

Die Bürgertrasse verläuft ab dem Tunnel Mengen in einem Trog bis fast nach Hügelheim. Dort trifft sie auf die bestehende Rheintalbahn. Durch die Tieflage werden alle Gewässer und Verbindungsstraßen unterquert. So soll gewährleistet werden, dass die neue, nur für Güterzüge vorgesehene Bahntrasse optisch und akustisch so wenig wie möglich wahrnehmbar realisiert wird. Zugleich soll sie sich möglichst gut in die Landschaft einpassen. Nach Ansicht der betroffenen Kommunen, der Bürgerinitiative sowie Vertretern der Landwirtschaft ist dies nötig, um die Landschaft, den Naherholungsraum des Kurorts Bad Krozingen, die ansässigen und die Erholung suchenden Menschen sowie die hoch entwickelte Landwirtschaft nachhaltig zu schützen.

Zugeständnisse gibt es auch im weiter nördlich gelegenen Abschnitt der Freiburger Bucht zwischen Riegel und Mengen. Nicht nur sollen dort die von der Bürgerinitiative Igel (Interessengemeinschaft gegen Lärm und Umweltbelastungen) gewünschten Grünbrücken errichtet werden. Nach Angaben von Igel-Sprecher Adalbert Häge hat der Bund auch neuen Berechnungen für die zu erwartende Lärmbelastung zugestimmt. Danach soll das prognostizierte Verkehrswachstum mit berücksichtigt werden. Zugleich soll im Planfeststellungsbeschluss verbindlich festgehalten werden, dass auf diesem Streckenabschnitt (mithin wohl auf der ganzen Rheintalstrecke) nur moderne, lärmreduzierte Züge fahren dürfen. Mit dieser Regulierung soll die Erneuerung des Wagenparks der Transporteure vorangebracht werden.

Nach dieser vorläufigen Verständigung, die auf verschiedenen Ebenen noch in verbindliche Beschlüsse münden muss, erwarten alle Seiten eine Beschleunigung des Planfeststellungsverfahrens. Möglicherweise werden einzelne Abschnitte herausgenommen und als Planänderungsverfahren behandelt, in anderen Fällen ist eine ganz neue Planung nötig. Ziel ist, bis 2020 den größten Teil der Neubaustrecke zwischen Riegel und Weil am Rhein in Betrieb nehmen zu können.

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Autor: Franz Schmider, aktualisiert 3.Februar 2012, 19:22 Uhr