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09. September 2010 15:31 Uhr
Spielort
SC Freiburg: Lieber Stadion-Ausbau statt Neubau?
Wie wird das Freiburger Stadionproblem gelöst? Die Führung des SC Freiburg hat jetzt die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie im Rathaus präsentiert.Nur drei Varianten stehen noch zur Wahl – doch vieles spricht für einen Umbau des alten Stadions.
Drei Varianten stehen zur Debatte: Ein neues, an die 60 Millionen Euro teures Stadion, das offenbar entweder bei der Messe oder auf dem Rhodia-Areal im Westen stehen soll. Oder eben Lösung Nummer drei: der Aus- und Umbau des Badenova-Stadions. Allerdings spricht offenbar einiges dafür, dass der Sportclub weiter im Freiburger Osten seine Tore schießt.
Das SC-Präsidium um den Interimsvorsitzenden Fritz Keller traf sich beim Stadiongipfel mit Oberbürgermeister Dieter Salomon und dem Ersten Bürgermeister Otto Neideck. Über die Inhalte des Treffens verlautet nur wenig. Auch gibt es noch keine Entscheidungen, weil noch zu viele Fragen offen sind. Fest steht nur: Einen Arena-Neubau außerhalb von Freiburg wird es nicht geben – also auch keine Europa-Park-Arena. Die beiden möglichen Standorte liegen in Freiburg, jedoch nicht auf Grundstücken, die der Stadt gehören. Das Gelände bei der Messe steht im Besitz des Landes, das zweite Areal im Norden gehört dem Chemiekonzern Rhodia.
Nun soll erst einmal mit den Eigentümern geredet werden.Wer dann kaufen würde, falls die Entscheidung pro neue Arena fällt, ist auch noch offen. Bei seiner Kalkulation geht der SC offenbar davon aus, dass er für Grund und Boden nichts zahlen muss. Allerdings bleibt zu bedenken, dass ein Stadionneubau politisch nur schwer durchzusetzen wäre. Der OB hat sich vor seiner Wiederwahl dagegen ausgesprochen.
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Die vom SC in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie listet die bekannten Nachteile des Stadions an der Schwarzwaldstraße auf: Schlechte Verkehrsanbindung, chaotische Parksituation, keine Möglichkeit zur Erweiterung der Zuschauerkapazität, ein zu kurzes Spielfeld und vieles mehr. Wegen der gerichtlich festgeklopften Vereinbarungen mit den Anwohnern könnte der SC die Zahl der Zuschauer insgesamt nur um 1000 Besucher erhöhen. Dennoch gibt es durch einen Um- und Ausbau die Möglichkeit, das Stadion qualitativ zu verbessern.
Durch das Versetzen der Nordtribüne um zehn Meter nach hinten, könnte das Spielfeld auf Normmaße gebracht werden. Derzeit spielt der SC wegen des um rund drei Meter zu kurzen Platzes mit einer Sondergenehmigung der Deutschen Fußball-Liga. Geschlossen werden könnten womöglich auch die Stadionecken. Beim Umbau könnten auch höherpreisige Business-Seats und Logen eingebaut werden, die dem Verein mehr Einnahmen bringen können.
Selbst Neu-Erstligist FC St. Pauli hat trotz des bis zur Übertreibung gepflegten Underdog-Images beim Umbau seines Stadions am Millerntor nun zu solchen Möglichkeiten gegriffen und 28 sogenannte Séparées à 12 Plätzen eingebaut. Mit VIP-Service, feinem Essen und anderen Annehmlichkeiten. Um die 65.000 Euro bringt laut Vereinshomepage jedes Séparée pro Saison ein, macht unterm Strich um die 1,8 Millionen Euro Einnahmen im Jahr. Die Pauli-Logen sind ausgebucht.
Von solchen Dingen kann der SC nur träumen. Das kleine Stadion an der Dreisam mit seinen 24.000 Plätzen benachteiligt den Sportclub deutlich. Derzeit hat in der ersten Bundesliga nur der FSV Mainz mit einer Kapazität von 20.300 Plätzen eine kleinere Spielstätte. Doch in Mainz läuft bereits ein 60-Millionen-Euro-Neubau. Die öffentlich üppig bezuschusste neue Arena wird 33.000 Zuschauer fassen.
Die Klemme, in welcher der SC mit seinem Stadion steckt, wird auch deutlich, wenn man auf die zweite Bundesliga blickt: Selbst in der Stadiontabelle des Unterhauses läge der SC im Moment nur auf Platz zehn – neun Zweitligisten haben größere Arenen.
Interaktive Karte: Die bisher diskutierten Stadionstandorte:
20 Prozent des SC-Etats werden derzeit durch Zuschauereinnahmen generiert. Viel mehr ist nicht drin. In der vergangenen Saison lag die Auslastung bei 96 Prozent. Kritiker behaupten dass der Sportclub eine größere Arena nicht füllen könnte. Noch nicht ausverkauft war am Donnerstag das Derby gegen den VfB Stuttgart, das am Samstag steigt.
An der Stadion-Debatte wollte sich am Donnerstag SC-Trainer Robin Dutt nicht beteiligen: "Ich interessiere mich nur für Stadien, in denen ich mit meiner Mannschaft spiele", sagte er. "In Ruhe", so SC-Pressesprecher Rudi Raschke, soll es jetzt erst einmal weitergehen. Eine öffentliche Vorstellung der Pläne, wie ursprünglich einmal geplant, scheint man beim Verein nicht mehr zu präferieren. Vielmehr sollen jetzt erst einmal die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung am Montag, 27. September, weitere Einzelheiten erfahren. Zudem, so Raschke, sei die Stadt jetzt am Zug.
- SC Freiburg: Mögliche Vorbilder für einen Stadion-Neubau
- Video-Umfrage: Was sagen die Freiburger zu den Stadionplänen?
Autor: Joachim Röderer
