Verdächtiger flüchtig

Sexualverbrechen in Wiesbaden: Die 14-jährige Susanna F. ist getötet worden

dpa

Von dpa

Do, 07. Juni 2018 um 21:53 Uhr

Deutschland

Die seit zwei Wochen vermisste 14-jährige Susanna F. ist in Wiesbaden vergewaltigt und getötet worden. Ein tatverdächtiger Asylbewerber ist auf der Flucht, er wird im Irak vermutet.

Die seit zwei Wochen vermisste 14-jährige Susanna F. ist in Wiesbaden vergewaltigt und getötet worden. Ein Tatverdächtiger ist auf der Flucht. Ein weiterer Mann, der zunächst als verdächtig galt, wurde am Donnerstag wieder frei gelassen. Die Ermittler fahnden nun nach einem 20 Jahre alten irakischen Flüchtling. Ali B. wird im Irak vermutet. Zwei Wochen war nach Susanna F. gesucht worden. Ihre Leiche war dann in einem Erdloch in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden gefunden worden.

Gegen den zunächst festgenommenen 35-Jährigen besteht nach neuesten Ermittlungserkenntnissen kein dringender Tatverdacht mehr, wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn am Donnerstagabend in Frankfurt sagte. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler nun durch die Obduktion der Leiche der 14-Jährigen und die Auswertung von DNA-Spuren.

Entscheidender Hinweis kam von einem 13-Jährigen

Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, dass zwei Männer Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet haben. Der andere Verdächtige sei vermutlich am vergangenen Donnerstag mit seiner gesamten Familie überhastet abgereist. Der 20-Jährige war in diesem Jahr bereits mehrfach polizeilich aufgefallen. Neben Pöbeleien und Prügeleien soll sein Name auch im Zusammenhang mit der Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens aus der Flüchtlingsunterkunft gefallen sein, erklärte der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller. Die Hinweise hätten sich aber nicht erhärten lassen. Der entscheidende Hinweis im Fall Susanna F. kam von einem 13-jährigen Jungen, der ebenfalls in der Flüchtlingsunterkunft wohnte. Der Zeuge hatte den Ermittlern berichtet, Ali B. habe ihm von der Tat persönlich erzählt.

Susanna F. wurde erwürgt oder erdrosselt. Es habe eine "Gewalteinwirkung" auf den Hals gegeben, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Achim Toma. Die 14-Jährige war am 22. Mai von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden. Sie war mit Freunden in der Wiesbadener Innenstadt unterwegs gewesen und abends nicht wie abgesprochen nach Hause zurückgekehrt. Laut Obduktion der Leiche soll sich die Tat bereits am Abend ihres Verschwindens ereignet haben.

Von Düsseldorf nach Istanbul und von dort weiter nach Erbil

Der tatverdächtige Iraker sei vermutlich am vergangenen Donnerstag abgereist, berichtete Polizeipräsident Müller. Die Familie aus Vater, Mutter und sechs Kindern habe zuletzt zusammen in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden gelebt. Sie sei nach bisherigen Erkenntnissen von Düsseldorf aus nach Istanbul und von dort aus weiter ins irakische Erbil geflogen. Auf den Flugtickets seien andere Namen angegeben gewesen als auf den am Flughafen vorgelegten Aufenthaltspapieren für Deutschland, sagte Müller.

Der hessische Innenminister Peter Beuth reagierte mit tiefer Betroffenheit auf das Gewaltverbrechen. "Unsere Gedanken sind im Moment bei den Angehörigen, unsere Anteilnahme", sagte der CDU-Politiker. Beuth warnte davor, den Fall schon politisch zu diskutieren. Von "Mord & Totschlag im Multi-Kulti-Wahn" sprach dagegen der AfD-Politiker André Poggenburg in einer Twitter-Botschaft.