Breisgau-Hochschwarzwald

Kreis gibt 200.000 Euro für Hochfirstschanze – Entscheidung umstritten

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Fr, 29. Dezember 2017 um 20:22 Uhr

Titisee-Neustadt

Heftige Diskussion im Kreistag: Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald will die Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt mit 200.000 Euro fördern. Kritiker säen das Geld lieber für andere Dinge eingesetzt.

Der Landkreis will die Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt mit 200.000 Euro fördern. Das Geld soll in drei Tranchen über drei Jahre gezahlt werden. Die Entscheidung wurde im Kreistag jedoch kontrovers diskutiert. Nicht alle Fraktionen befürworten, dass das Geld an die Skisprunganlage fließt.

Die Gemeinde Titisee-Neustadt hatte sich an den Landkreis mit der Bitte um Förderung gewandt. Hintergrund ist, dass die Sanierung der Sportstätte aufwendiger wird, als zunächst angenommen. Erst Anfang Dezember fand ein Weltcup-Skispringen in Titisee-Neustadt statt. Doch in die Anlage muss investiert werden, damit sie den Anforderungen der Veranstalter genügt.

Streit um Kosten und Nutzen

Die Gemeinde zahlt einen Teil der Sanierung selbst und bekommt nach eigenen Aussagen Fördermittel vom Deutschen Sportverband und vom Landessportverband. Jedoch wurde in Gesprächen klar, dass die Schanze eine Kühlung der Anlaufspur brauche. Damit hätten sich die Kosten für die Sanierung von zwei auf zweieinhalb Millionen Euro erhöht. Deshalb die Bitte um Unterstützung vom Landkreis in Höhe von 200.000 Euro. Auch mit dem Hinweis, dass der Kreis die Biathlon-Anlage am Notschrei und die Sportstätten in Hinterzarten unterstütze.

"Das ist eine Menge Geld. Aber ich bin überzeugt, es ist gut angelegt", sagte Stefan Wirbser (CDU) in der jüngsten Kreistagssitzung. Die Wertschöpfung sei beim Skispringen gegeben, die Reichweite durch TV-Übertragungen enorm. "Das wird nur vom Fußball übertroffen", so Wirbser. Es handele sich bei dem Geld "um Wirtschaftsförderung, nicht um Sportförderung", so der CDU-Kreisrat.

"Unsere Fraktion ist gespalten", sagte hingegen Franz-Josef Winterhalter von den Freien Wählern. "Die einen sagen, Skispringen hätte eine große Ausstrahlung und schafft Wertschöpfung im Tourismus. Andere sind von dem Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht überzeugt", so Winterhalder. Die Freien Wähler hätte auch die Frage beschäftigt, inwiefern der Skisport im Schwarzwald mittelfristig möglich sei.

Stimmen für und gegen die Förderung

"Das Skispringen ist eine tolle Sache für Titisee-Neustadt und den Hochschwarzwald", sagte Leopold Winterhalder von den Grünen. "Aber wir finden nicht, dass die öffentliche Hand dafür Geld bereitstellen sollte", so Winterhalder. Die Veranstaltung sei zudem davon abhängig, ob der Internationale Skiverband sie in den Kalender aufnehme, es gebe große Konkurrenz unter möglichen Veranstaltungsorten. Und auch die Popularität in Deutschland schwanke. "Zurzeit haben wir herausragende Sportler. Das war auch schon anders", so Winterhalder. Das Geld sei im sozialen Bereich besser aufgehoben.

"Es gibt gute Gründe, das als Wirtschaftsförderung zu sehen", sagte Reiner Zimmermann (SPD). Gleichzeitig gebe es Pflichtaufgaben des Kreises, denen er kaum nachkommen könne. "Wir werden zustimmen, aber wir werden es uns genau ansehen", so Zimmermann. Er spielte damit auf eine Formulierung an, die in dem Förderbeschluss festgelegt ist. Der Zuschuss steht unter dem Vorbehalt, dass ein Finanzierungskonzept vorgelegt wird.

Investition in Ehrenamt und Sport

"Das ist Tourismusförderung im klassischen Sinne", so FDP-Kreisrat Rudolf Gwinner. Das Geld sei ein Bekenntnis zum Skisport, das Skispringen ein "unbezahlbarer Werbeträger mit fantastischem Marketingwert", so Gwinner. Außerdem, so Gwinner, sei die Förderung auch eine "Anerkennung der fantastischen ehrenamtlichen Arbeit", die an der Schanze geleistet würde.

"Wir haben keine Sekunde daran gezweifelt, das Projekt zu unterstützen", so Volker Kempf von der AfD. Der Landkreis trage nicht einmal zehn Prozent der Gesamtkosten. "Das ist ein Leuchtturmprojekt, die Reichweite ist sonst gar nicht zu bezahlen". Es sei eine Investition in Ehrenamt und Spitzensport.