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09. November 2010 16:07 Uhr
Risse
Sonderbriefmarken und mehr: So soll die Staufen-Stiftung helfen
Die historische Altstadt Staufens leidet unter den Rissen – nicht nur optisch, sondern auch finanziell. Helfen soll nun eine Stiftung mit Sonderbriefmarken, einem Krug und Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel als Aushängeschild.
Ein Krug steht im Mittelpunkt der jetzt anlaufenden Spenden- und Solidaritätskampagne zugunsten von Rissen betroffener Hausbesitzer. Die Stiftung zur Erhaltung der historischen Altstadt Staufen stellte am Dienstag das Konzept vor, im Beisein von Erwin Teufel, Mitglied des Stiftungskuratoriums und ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
Mehr als 260 Häuser sind betroffen, der Schaden wird auf 50 Millionen Euro geschätzt. So wurde am Dienstag bei der Präsentation des Konzepts unterstrichen, dass die Stiftung alleine nicht das für die endgültige Sanierung erforderliche Geld auftreiben kann. "Es kann nur ein Mosaikstein sein im Kampf gegen die Risse", sagte Bürgermeister Michael Benitz. Von der Stiftung eingeworbene Spenden sollten vor allem zur Regulierung von Härtefällen in der Stadt dienen. "Wir wollen mit der Stiftung aber schon einen siebenstelligen Betrag erreichen", so Benitz weiter. Die Symbolkraft des Kruges passt für Benitz zur Katastrophe Staufens, vor allem über seine Zerbrechlichkeit. "Staufen darf nicht zerbrechen", ist das Stiftungsmotto.
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Der Staufen-Krug ist in der Staatlichen Majolika-Manufaktur in Karlsruhe in einer Auflage von 5000 Stück hergestellt worden und wird für 68 Euro verkauft. Auch auf den besonderen Briefmarken, die jetzt herausgekommen sind, ist er abgebildet, der Riss in seiner Mitte mit rotem Klebeband zusammengehalten. Es sind 55 Cent-Marken, allerdings kosten sie pro Stück 80 Cent, weil der Spendenanteil daran 25 Cent beträgt. Im Geschenkset gibt es sie als 10er- und als 20er-Pack zum Preis von 10 und 20 Euro. Die Briefmarken sind indes nicht in Postfilialen zu bekommen, sondern werden in lokalen und regionalen Geschäften, Banken und Winzergenossenschaften zu kaufen sein. Im Internet gibt es die Produkte auch online zu bestellen. Darüber will die Stiftung erreichen, dass auch Menschen außerhalb der Region ihre Solidarität mit Staufen zum Ausdruck bringen können.
Interaktive Karte: Rissestadt Staufen
Erwin Teufel sprach von "katastrophalen Folgewirkungen" der 2007 erfolgten Erdwärmebohrungen. Der Vorgang der Hebungen komme einer Naturkatastrophe gleich, sei aber eigentlich schlimmer, weil noch kein Ende absehbar sei und die Betroffenen ohne eigenes Verschulden zusehen müssten. Die endgültige Sanierung der Häuser, so Teufel, könne hoffentlich bald erfolgen. Der Ministerpräsident a. D. lobte die Stiftungsgründung als Ausdruck der Entschlossenheit der Stadt, nicht nur auf Hilfe von außen zu warten, sondern selbst aktiv zu werden. Teufel betonte aber auch, dass die Stadt die Krise alleine nicht bewältigen könne und auf Hilfe von Land und Bund angewiesen sei. "Ich werde nicht oft vor Ort sein können, aber mein Beitrag zur Stiftung besteht darin, Ratschläge zu geben, Kontakte zu vermitteln und Türen zu öffnen", sagte Teufel. Es sei gut, dass die tägliche Arbeit vom Bürgermeister als dem Vorstandsvorsitzenden und Gemeinderäten als Vorstandsmitglieder geleistet werde. Im sechsköpfigen Kuratorium der Stiftung sitzt auch Christian Hodeige, der Herausgeber der Badischen Zeitung.
Benitz kündigte als erste Aktivität der Stiftung die Aktion "Staufen Merkmal" an. Sie soll in den nächsten Wochen starten. Dabei werden von den Hebungen beschädigte Häuser mit roten Pflastern versehen, um Passanten die Tragweite der Schäden eindrücklicher zu machen. Die Medienpartner der Stiftung, ZDF und SWR, berichten verstärkt über Staufen. In den ZDF-Sendungen Morgenmagazin und Mittagsmagazin ist Staufen ab dem 15. November ein Schwerpunkt. Nach der Präsentation im Stubenhaus führte Benitz Teufel in das geräumte und besonders stark beschädigte rückwärtige Rathausgebäude, wo Helmpflicht herrscht.
- Reportage: Wo, bitte, geht’s hier zu den Rissen?
- Informationen zur Stiftung: www.staufenstiftung.de
Autor: Hans Christof Wagner


