Gerichtsprotokoll

Staufener Missbrauchsfall: Markus K. zu 10 Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Do, 19. April 2018 um 15:16 Uhr

Staufen

Im ersten Prozess im Staufener Kindesmissbrauchsfall ist ein Urteil gesprochen worden: Markus K. aus der Ortenau wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Auch eine Sicherungsverwahrung wurde angeordnet.

Der Prozess gegen Markus K. ist die erste gerichtliche Aufarbeitung im Staufener Kindesmissbrauchsfall. Christian L. und Berrin T. missbrauchten den neunjährigen Sohn von Berrin T. und überließen das Kind gegen Geld Männern zum Missbrauch. Einer von ihnen ist Markus K. aus der Ortenau.

Die Urteilsbegründung

15.50 Uhr: In der Urteilsbegründung stellt Richter Stefan Bürgelin zunächst den Sachverhalt noch einmal dar: Er fasst die Verurteilung von 2010 zusammen, die Kontaktaufnahme von Christian L. und Markus K. und die Verabredung zum Missbrauch. Bürgelin beschreibt noch einmal den ersten Missbrauch des Jungen im Freien, dann die zweite Tat im Zimmer des Kindes in der Wohnung von Christian L. und Berrin T. Danach fasst er kurz die kinderpornographischen Fotos und Videos zusammen, die bei Markus K. gefunden wurden. Er spricht auch die vorgebrachten Beweise an, darunter auch die Videos der zweiten Tat, die Christian L. angefertigt hat.

"Die rechtliche Würdigung war nicht ganz einfach", sagt Bürgelin. Viele Straftatbestände seien in Frage gekommen, wegen vieler erfolge jetzt die Verurteilung: In Bezug auf die erste Tat sind das: schwerer sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und Führungsaufsichtsweisungsverstoß. Den noch recht neuen Straftatbestand der Zwangsprostitution habe die Kammer nicht als verwirklicht angesehen. Denn das Schutzgut des Paragraphen sei die legale, freiwillige Ausübung der Prostitution – und freiwillige, legale Kinderprostitution könne es nicht geben. Zudem sei zumindest von Markus K. für diese Tat kein Geld an Christian L. gezahlt worden. Die zweite Tat sei ebenfalls als schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Vergewaltigung zu bewerten, außerdem auch als Körperverletzung und Beleidigung.

Für die erste Tat sei ein Strafmaß von zwei bis fünfzehn Jahren möglich, für die zweite Tat drei bis 15 Jahre und für den Besitz der Kinderpornographie bis drei Jahre.

"Wir haben hier ein Geständnis bei sehr guter Beweislage", resümiert Bürgelin. Das Video zeige die zweite Tat detailliert, außerdem habe der Haupttäter Christian L. sich ausführlich eingelassen.

"Er hat hier, sehr untypisch für solche Täter, kein Selbstmitleid versprüht." Richter Stefan Bürgelin
Bürgelin spricht kurz das Gutachten des forensischen Gutachters Hartmut Pleines an, das am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen wurde. Pleines attestierte dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit. Seine Sexualneigung sei laut dem Gutachter "schicksalhafte, homosexuelle Pädophilie, die legal nicht befriedigt werden könne". Eine psychische Krankheit oder Persönlichkeitsstörung läge nicht vor. "Er hat hier, sehr untypisch für solche Täter, kein Selbstmitleid versprüht", sagt Bürgelin. K. sei nüchtern und empathielos aufgetreten. Zudem sei er von allen Tätern im Staufener Missbrauchsfall der am heftigsten vorbestrafte Täter.

Schließlich habe die Kammer für die einzelnen Taten folgende Einzelstrafen verhängt: sechs Jahre für den ersten Missbrauch, acht Jahre für den zweiten Missbrauch und sechs Monate für die kinderpornographischen Fotos und Videos. Daraus habe die Kammer eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren gebildet.

Dann spricht Bürgelin über die Anordnung der Sicherungsverwahrung. Deren rechtliche Bedingungen lägen vor. "Der Befund zur Sexualpräferenz ist nicht geeignet, Zweifel an der Schuldfähigkeit zu wecken", sagt der Vorsitzende Richter. Die Gefahr des Rückfalls sei hoch. Der Hang des Angeklagten zu solchen Straftaten beruhe auf charakterlichen Eigenschaften. Der Angeklagte habe eine aggressive Sexualität ohne Empathie für das Opfer. Die Haft habe ihn nicht beeindruckt. Auch Therapien seien nicht effektiv gewesen, da er dem Therapeuten erzählt habe, was der habe hören wolle. So habe K. unter anderem die Beziehung zu einer Frau erfunden, die es nicht gegeben habe. Erst nach den Taten habe K. gegenüber dem Therapeuten gesagt, dass er möglicherweise wieder gefährdet sei. Eine hormonelle Therapie mit anderen therapeutischen Maßnahmen könnte möglicherweise Erfolge bringen, sofern die Bereitschaft des Angeklagten dafür gegeben sei.

Da Markus K. nicht zwei, sondern nur eine Vorstrafe hatte, habe die Sicherungsverwahrung rein rechtlich nicht automatisch angeordnet werden müssen. Die Kammer habe sich stattdessen aufgrund der Beweislage die Ermessensentscheidung zur Anordnung der Sicherungsverwahrung getroffen.

Das Landgericht Freiburg verurteilt Markus K. zu zehn Jahren Haft und ordnet die anschließende Sicherungsverwahrung an

15 Uhr: Der 41-jährige Markus K., der einschlägig vorbestraft ist, ist der Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, gefährlichen Körperverletzung, Verstoßes gegen Weisungsaufsicht und wegen des Erwerbs und Besitzes kinderpornographischer Schriften für schuldig befunden und zu 10 Jahren verurteilt worden. Eine anschließende Sicherungsverwahrung wurde angeordnet. Markus K. muss außerdem Schadenersatz in Höhe von 12.500 Euro an das Opfer zahlen. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten 12,5 Jahre Haft und Sicherungsverwahrung gefordert.

Von einer der beiden Missbrauchshandlungen, die K. vorgeworfen wurden, lag dem Gericht ausführliches Videomaterial vor. Dieses wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit vom Gericht in Augenschein genommen. K. hatte – ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit – auch ein Geständnis abgelegt.

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