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30. September 2010 10:01 Uhr

Interview

Bahnchef Grube: "Ich bin ein dialogorientierter Mensch"

Am 30. und 31. Oktober will Bahnchef Rüdiger Grube den Oberrhein besuchen, um sich ein Bild zu machen von der Planung zwischen Offenburg und Basel. Dazu – und zur Situation in Stuttgart – äußert sich Grube im BZ-Interview.

  1. Rüdiger Grube, Bahnchef. Foto: dpa

BZ: Herr Grube, Stuttgart 21 samt Neubaustrecke soll sieben Milliarden Euro kosten, der Ausbau der Rheintalbahn noch einmal knapp sechs Milliarden. 13 Milliarden ist die Summe, die der Bund insgesamt für den Schienenausbau in zehn Jahren ausgeben will. Wie kann diese Rechnung aufgehen?
Grube: Die Summen, die Sie genannt haben, sind die Gesamtinvestitionen, nicht die Investitionen des Bundes. Bei Stuttgart 21 beteiligt sich der Bund bei Kosten von 4,088 Milliarden mit gerade mal 564 Millionen Euro aus dem Topf für Neu- und Ausbaumaßnahmen. Und das über einen längeren Zeitraum von rund elf Jahren. Dieser Bundesanteil ist gedeckelt. Die übrige Finanzierung übernehmen die Bahn und die Projektpartner aus anderen Töpfen. Die Bahn beteiligt sich an der Finanzierung nach jetzigen Berechnungen allein mit 1,5 Milliarden Euro.

BZ: Aber ist dann noch genügend Geld vorhanden für den Lärmschutz an der Rheintalbahn?
Grube: Ja. Der Bund investiert, wie Sie richtig gesagt haben, jedes Jahr 1,2 Milliarden in Neubaustrecken. Zusätzlich geben wir pro Jahr 200 Millionen dazu. Und dann gibt es noch einen zweiten Topf für Investitionen in die bestehende Infrastruktur. Hier investiert der Bund pro Jahr 2,5 Milliarden Euro und wir geben noch einmal 500 Millionen Euro aus Eigenmitteln obendrauf. Das heißt, wir haben pro Jahr 4,4 Milliarden für Investitionen ins Schienennetz. Und für Stuttgart 21 gibt die Bahn wie erwähnt noch einmal insgesamt 1,5 Milliarden Euro, dazu kommen Mittel vom Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart, der Region Stuttgart und der EU. Und für die Neubaustrecke nach Ulm zahlt das Land 950 Millionen Euro.

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BZ: Das heißt, es gibt aus Ihrer Sicht keine Konkurrenz der Projekte.
Grube: Die Gegner sprechen gerne von einer Kannibalisierung der Projekte, aber das stimmt nicht. Wir werden die anderen Projekte realisieren.

BZ: In Baden zeigen Sie Dialogbereitschaft, in Stuttgart Härte …
"Ich bedauere das sehr, dass man den Dialog in Stuttgart bislang nicht geschafft hat. Deshalb will ich das im Rheintal ja auch anders machen." Rüdiger Grube
Grube: … Nein, stopp. Ich bin auch in Stuttgart dialogbereit. Der Unterschied ist, dass wir in Stuttgart seit einem halben Jahr bauen. Alle Pläne sind genehmigt und bestandskräftig. Im Rheintal sind wir doch erst in der Vorphase. Da kann ich ganz anders Rücksicht nehmen auf die Anliegen, die jetzt noch kommen. Wenn ich erst einmal einen Planfeststellungsbeschluss habe, muss ich den auch umsetzen. Denn wenn ich etwas an dem Plan ändere, dann muss ich noch einmal in ein Planfeststellungsverfahren. Das ist also eine ganz andere Situation, das ist eine ganz andere Zeitschiene. In Stuttgart und bei der Neubaustrecke ist das alles weitestgehend abgeschlossen, wir haben 11 500 Bürgerwünsche und -anregungen berücksichtigt. Ich bin ein total dialogorientierter Mensch, ich bedauere das sehr, dass man den Dialog in Stuttgart bislang nicht geschafft hat. Deshalb will ich das im Rheintal ja auch anders machen, denn wir dürfen eine Situation wie in Stuttgart nicht noch einmal erleben. Wir müssen alle daraus lernen.

BZ: Bei Ihrem Besuch in der Region Ende Oktober werden Sie auch nach Weil am Rhein fahren. Dort ist der Abschnitt planfestgestellt. Oder sehen Sie die Chance, dort noch etwas nachzubessern?
Grube: Da sehe ich keine Chancen mehr, das muss man ganz offen sagen. Aber überall wo noch etwas zu machen ist, muss man reden. Deshalb komme ich ja, sonst könnte ich es auch lassen. Ich will die Verhältnisse ja selbst erleben und daraus lernen.

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Autor: Franz Schmider