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20. März 2017 18:47 Uhr

Titisee

Testo investiert 30 Millionen Euro – für 300 neue Jobs

Für 30 Millionen Euro fährt der Messgerätehersteller Testo mit der Erweiterung in Titisee fort. Bis zu 300 weitere Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

  1. Den symbolischen Spatenstich vollzogen (von links) Architekt Detlef Sacker, die Testo-Vorstände Burkart Knospe und Martin Winkle mit Bürgermeister Armin Hinterseh. Foto: Peter Stellmach

  2. Nach getaner Arbeit: Architekt Detlef Sacker hängt den Helm auf den Spaten. Foto: Peter Stellmach

  3. Bürgermeister Armin Hinterseh freut sich über den Fortgang der Ansiedlung. Foto: Peter Stellmach

  4. Architekt Detlef Sacker Foto: Peter Stellmach

  5. Die Erdarbeiten haben begonnen. Foto: Peter Stellmach

  6. Der Vorstandsvorsitzende Burkart Knospe vor dem Gebäude, das bereits steht. Foto: Peter Stellmach

Burkart Knospe schlug den Bogen weit. Testo feiert dieses Jahr den 60. Geburtstag. Da deutete der Vorstandsvorsitzende den Spatenstich für den zweiten Neubau in Titisee als das richtige Symbol: "Wir feiern das Erreichte und sorgen für die Zukunft". Machte das Unternehmen 2010 noch 200 Millionen Euro Umsatz, steuert es dieses Jahr 300 Millionen Euro an. Da werde es Zeit, mit Personal nachzulegen, sagte Knospe.

Das neue Gebäude ist nicht für die Fertigung vorgesehen. Auf 3500 Quadratmetern Fläche entstehen Büros für Forschung, Entwicklung, Vertrieb und Management. 930 Quadratmeter sind für Konferenzräume bestimmt. Und auf 1400 Quadratmetern eröffnet Testo mit der sogenannten Solution World ein neues Geschäftsfeld: In diesem Schaufenster sollen sich Kunden von den Testo-Lösungen, etwa für Großküchen, Kühl- und Lagerräume überzeugen und danach auf sich maßschneidern lassen können.

Woher das Wachstum kommt? Knospe ging in seiner Antwort auf die Motivation der Kunden ein. "Wer misst, will sichergehen. Unsere Kunden wollen nicht schätzen, sie wollen Daten". Der Vorstandsvorsitzende betonte hier, wo er aufgewachsen ist, dass sich sein Unternehmen mit der neuerlichen Investition zur Region bekenne. Er verhehlte nicht, dass dies unter erschwerten Bedingungen geschieht. Da wären die Verkehrsprobleme, von der Höllentalbahn, die in naher Zukunft für den Bau der Breisgau-S-Bahn ein Jahr lang gesperrt sein wird, bis hin zu den wiederkehrenden Sperrungen der B-31. Beides erschwere die Anfahrt der Mitarbeiter. Der Zusammenhang war ihm wichtig, weil es sowieso an Fachkräften mangle, besonders Softwareentwickler und Programmierer "sind fast nicht zu bekommen". Für zukunftsweisende Qualifikationen in der Region zu sorgen, das sei Aufgabe von Bürgermeister Armin Hinterseh und Kollegen.

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Den Bürgermeister sprach er auch direkt an mit einem Dank: Er sei beruhigt, sagte Knospe, dass der Gemeinderat die Gewerbesteuer nicht erhöht hat, "da fühlen wir uns gleich noch mehr willkommen". Der Testo-Anteil steige ohnehin.

"Der dynamischste Quadratkilometer im Schwarzwald." Testo-Chef Knospe über die Nachbarn Testo und Badeparadies
Für den Bürgermeister war es selbstredend ein angenehmer Termin. Er sagte, die 12.000-Einwohner-Gemeinde habe hier 300 Arbeitsplätze gewonnen und erhalte nun weitere 300, Testo sei der größte Arbeitgeber der Stadt. Dass in der Nachbarschaft mit dem Badeparadies eine ähnliche Entwicklung im Gang ist, wertete er als erfreulich. Er rechnete gar auf 1000 Arbeitsplätze hoch und nannte das "eine ganz große Nummer für uns".

Knospe formulierte daraus wenig später diese Einsicht: "Das ist der dynamischste Quadratkilometer im Hochschwarzwald, wenn nicht im ganzen Schwarzwald."

Hinterseh bescheinigte dem Testo-Chef, die Innovation des Unternehmens "hat hier ein Gesicht erhalten", es ändere sich die Wahrnehmung von der Region. Er wünschte Testo weiterhin gesundes Wachstum und dauerhaft Erfolg.

Gebaut wird nach dem preisgekrönten Entwurf der Architekten Sacker. Detlef Sacker umriss in groben Zügen, was binnen der nächsten zwei Jahre entstehen wird. Das Gebäude wird ziemlich genau dem ähneln, das schon steht: 94 Meter lang, 20 Meter breit und sieben Geschosse hoch (einschließlich Tiefgarage). Allerdings kommt es ohne die repräsentative Eingangssituation aus, die Steinfassade wird größer. Beide Gebäude werden durch einen gläsernen Steg verbunden.

Sacker erneuerte den Anspruch, man wolle das Erscheinungsbild "so harmlos wie möglich" für die Landschaft halten. Ein Drittel des Bauvolumens komme unter die Erde. Die Tiefgarage wird durch den Neubau um 135 auf 200 Parkplätze erweitert, hinzukommen 45 oberirdische Stellplätze. Auf der 3,3 Hektar großen Fläche werden 33 000 Kubikmeter Erde bewegt.

Vom Testo-Vorstand ist Martin Winkle mit dem Neubau befasst. Roman Müller, der Mann für sämtliche Testo-Gebäude, wird ihn am engsten betreuen.
Testo hat im Geschäftsjahr 2016 den Umsatz um 8 Prozent auf 280 Millionen Euro gesteigert – das ist Rekord. Die Zahl der Beschäftigten ist um elf Prozent auf 2700 gestiegen, davon 1174 in Lenzkirch, Titisee und Kirchzarten. Für die Zukunft setzt Testo stark auf Messgeräte, die mit Smartphones und Tablets verknüpft Daten leichter verarbeiten lassen.

Autor: pes