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08. April 2017

Immer noch ein Geheimtipp

"Ich will meinen eigenen Wein machen!" So lautet das simple Credo des Winzers Mario J. Burkhart aus Malterdingen.

  1. Ein Pinot der Extraklasse – der Rarus Noir 2011 Foto: Michael Wissing

  2. Mario Burkhart

Winzer gelernt hat Mario Burkhart im Weinbauinstitut, erste Sporen hat er sich im väterlichen Bioweingut Alexander Burkhart verdient. Dort hat sich der junge Winzer, der zudem eine Ausbildung zum biologisch-technischen Assistenten absolvierte, schon intensiv mit biologischem Dünger und biodynamischen Pflanzenstärkungsmitteln beschäftigt, bevor er 1998 bei der Burgunder-Ikone Bernhard Huber als Winzer und später als Kellermeister tätig war. Seit 2001/02 ist Burkhart selbständig und sorgt bei Liebhabern mit seinen ausdrucksstarken, liebevoll begleiteten Weinen für Furore.

"Ich verfolge einen burgundischen Stil, mag niedrige Alkoholwerte, eine feine, elegante Fruchtigkeit, strukturierte Säure und einen kräftigen, aber nicht aufdringlichen Geschmack", erzählt er mit großer Leidenschaft. Burkhart unterscheidet bei seinen als "Badischer Landwein" deklarierten Weinen zwei Sparten und drei Qualitätsstufen: Rarus (im Barrique ausgebaut) oder Stahltank/Großes Holzfass sowie 1., 2. oder 3. Gewächs. Seine Lagen in Malterdingen sind Hasenbank, Im Werk, Giersberg, Im weiten Litzental, Wittental, Kirchhalde, Farntal, Paradies und Willistein. Malterdingen ist ein ausgesprochenes Burgunderland; es lohnt sich, sich mit den Lagen und Bodenbeschaffenheiten vertraut zu machen. Ein guter Boden, meist Muschelkalk und Löss, alte Reben mit kleinbeerigen, gesunden Trauben und die jahrelange Erfahrung aus dem ökologischen Weinbau, gepaart mit innovativen und modernen Kellertechniken, stellen die Grundlagen dar für die so natürlichen Weine des kleinen Weinguts Burkhart.

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Im Weinberg

Sein Weingut nennt Burkhart eine Manufaktur. Damit will er auf seine Handarbeit bei der ausgiebigen Pflege der Reben und der extremen Ertragsreduktion aufmerksam machen. Das natürliche Gleichgewicht wird in den Reben durch organische Düngung zu bestimmten Zeiten und einer Dynamisierung des Bodens durch Einsaaten und Bodenbearbeitung gefördert.

Weinsortiment

Zum Einstieg serviert Burkhart einen 2014 Pinot Gris, 3. Gewächs, Ebental, trocken. Ein fruchtiger, junger, frischer Grauburgunder mit schöner Säure, der sich ausgezeichnet als Essensbegleiter für 7,50 Euro anbietet. Der 2014 Sauvignon Blanc, Im weiten Litzental, trocken, ist deutlich reifer, kräftiger, hat herrliche Pfirsich- und Mangonoten und einen Hauch Restsüße. Danach schenkt Burkhart einen 2015 Rivaner-Muscat-Cuvée, Im weiten Litzental, feinherb, aus 84 Prozent Müller-Thurgau und 16 Prozent Muskatellertrauben ein, der schon jetzt für kommende Sommertage Freude bereitet. Im Stahltank spontan vergoren, schmeckt man dezente Müller-Noten und die fruchtig-spritzige Säure des Muskatellers. Ein Genuss für 7,50 Euro. Als Apero, Dessertwein oder einfach mal so zwischendurch präsentiert sich der 2015 Muscat, Gelber Muskateller, Im weiten Litzental, lieblich, mit nur 7 % Alkohol und 40 g Restsüße. Düfte von Pfirsich, Lychee, Mirabellen, herrliche Zitrusnoten im Geschmack und trotzdem frisch und frech auf der Zunge. Dann kommt ein weißes Hochkaliber: der 2014 Rarus Sauvignon Blanc, Im weiten Litzental, trocken, ist ein wunderbarer typischer Sauvignon mit hochreifen Düften nach Mango und Pfirsich und einem vollen, sehr strukturierten Geschmackserlebnis. Ein weiterer Kandidat für den Sommergenuss ist der 2015 Pinot Rosé, Spätburgunder Rosé, Hasenbank/Kirchhalde, lieblich, mit 10,5 % Alkohol und 20 g Restzucker. Erdbeerdüfte, knackige Säure, frischer mineralischer Geschmack machen diesen Rose (9,50 Euro) zu einem besonderen Vorspeisenwein. Nun serviert Burkhart seine heimlichen Lieblinge: die Pinots. Schon der Einstiegswein, der 2013 Pinot Noir, Blauer Spätburgunder, Hasenbank/Kirchhalde/Ebental, Im Werk, 3. Gewächs, für 9,50 Euro, im großen Holzfass ausgebaut, besticht mit dunklen Beeren und Kirschdüften. Er ist "furztrocken", wie die Badener sagen, und hat doch einen leicht toastigen und schmelzigen Abgang. Der 2012 Pinot Noir, Blauer Spätburgunder, Im weiten Litzental, 2. Gewächs, ist schon jetzt reifer, runder und noch ausdruckstärker. Für 16,50 Euro kann man damit einen sehr guten Pinot erwerben, der interessanterweise vollkommen im Stahltank ausgebaut wurde.

Ein Flaggschiff der Weinmanufaktur ist der 2012 Rarus Noir, Blauer Spätburgunder, Farntal, Barrique, trocken. Hier kommt Burkhart einem klassischen badischen Spätburgunder der Extraklasse vielleicht am nächsten. Wunderbare Süßkirschdüfte, vielschichtiger, kräftiger und stets eleganter Geschmack, ein langer anhaltender Abgang. Dieser Pinot hat natürlich hervorragendes Alterungspotential und steht für die inzwischen so große und immer dichter aufgestellte Burgunderkunst in Baden.

Mario Burkhart gehört zu den kleinen Weingütern, die sich an große Herausforderungen heranwagen, die Neues ausprobieren wollen und die den Boden, das so oft beschworene Terroir, mit größtem Respekt behandeln. Das macht die Weinlandschaft hier so spannend. Zum Abschluss seien noch die ausgezeichneten Sekte von Spätburgunder Rosé und einem Cuvée aus Rivaner und Muskateller erwähnt. Zum Wohl.
Weinmanufaktur, Weingut Mario J. Burkhart,
Talmweg 1, 79364 Malterdingen
Tel. 07644/92 68 53, http://www.weingut-burkhart.com



Autor: Christian Hodeige