Umfrage für Wärmenetz

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Mi, 25. Juli 2018

Winden im Elztal

Zweites Hauptthema im Gemeinderat war das Tunnelbetriebsgebäude und seine Gestaltung.

WINDEN. Zwei Hauptthemen hatte die letzte Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause. Bei der Fassadengestaltung des künftigen Tunnelbetriebsgebäudes an der B 294 kam das Regierungspräsidium den im März geäußerten Anregungen des Rates (die BZ berichtete) entgegen. Außerdem lag dem Gremium eine Machbarkeitsstudie für ein Fernwärmenetz zur Versorgung von acht öffentlichen Gebäuden vor. Hier beschloss der Rat, erst einmal auch das Bürgerinteresse zu erfragen.

Vor dem künftigen "Brandbergtunnel" an der B 294 ist ein zweigeschossiges Betriebsgebäude – acht Meter breit und 27 Meter lang – geplant. Seine massive Langseite mit 32 kleinen Fensteröffnungen wird in der "Waldhorn"-Kurve in südwestlicher Blickrichtung stehen. Diese Fassade hatte dem Gemeinderat missfallen; auf seine Stellungnahme hin fand im Mai eine Besprechung von Fraktionsvertretern, Bürgermeister und Planern statt, deren Ergebnisse nun in der Sitzung vorgestellt wurden.

Ulrich Frech, Projektleiter im Regierungspräsidium, bedankte sich dabei für den "guten, gehaltvollen Dialog", der durch vorherige Berücksichtigung der Träger öffentlicher Belange zu einer auch bestandskräftigen Einigung geführt habe. Von Architekt Frank Heinz bekam der Rat dann erstmals umfassend Planung und Neuerungen am Gebäude erläutert. Dieses wird – angepasst an die örtliche Bebauung – ein niedriges Satteldach haben und auch mehr Freifläche als bisher lassen. Im Innern nimmt es ein Fluchttreppenhaus zum Vortunnel auf. Im Obergeschoss gibt es einen einzigen Besprechungsraum mit einem großen Panoramafenster zur Tunneleinfahrt hin. Ansonsten enthält das Haus nur Technikräume sowie Kühlanlagen für die Tunneltechnik. Die meisten kleinen Fensteröffnungen wären momentan entbehrlich, werden aber bei dem langen Gebäudebestand wegen möglicher Technik-änderungen vorsorglich eingefügt.

Durch die Einwände aus Winden neu erreicht wurde eine Pigmentbeschichtung mit heller Färbung des Wärmedämmbetons. Die Wand im Gebäudeeinschnitt an der Westseite wird mit Holz verblendet. Die Fensterelemente erhalten eine warme Farbtönung. Gegen Verfleckungen der Fassade bekommen die Traufen innenliegende Regenrinnen. Angedacht an der Nordwest-Giebelwand ist zudem eine Intarsie mit einem Luftbild Windens aus dem Gebäudebaujahr 2020. Ulrich Frech ergänzte, dass die Wohnhäuser dahinter durch integrierten Schallschutz und deutlich niedrigere Trauf- und Firsthöhen als beim "Waldhorn" Vorteile erfahren. Auch die befürchtete Beeinträchtigung des Ortsbildes relativierte er: Am Vortunnelportal mit seiner aufgesetzten Schalldämmung könne der Autofahrer, der ohnehin auf die Straße fokussiert sei, nur noch das Gebäudedach sehen.

Bürgermeister Klaus Hämmerle zeigte sich zufrieden, mit der Stellungnahme doch etwas erreicht zu haben. Ähnlich positiv das Urteil von Friedhelm Fakler (CDU) und Franka Weis (SPD) zum Versprechen einer hochwertigen Oberfläche und Dauerhaftigkeit der Farbgebung.

"Fernwärme weit günstiger als Heizöl"

Für die energetische Sanierung der Halle Oberwinden empfahl in der Haushaltsberatung im Januar Bauamtsleiter Tobias Kury, auch ein Nahwärmekonzept zu prüfen. Dazu legte das Vörstettener Ingenieurbüro Höfken & Berghoff, das auch das Projekt in Elzach plant, nun eine Studie für ein kleines Netz von acht Anschlussgebäuden vor. Nach ausgiebiger Debatte drängte die SPD-Fraktion, das Thema zeitnah weiterzuverfolgen. Pia Lach stellte den Antrag zur Beauftragung der Verwaltung, eine Bürgerinformation einzuleiten und per Umfrage das Anschlussinteresse auch von Privathaushalten zu ermitteln – dem der Rat dann geschlossen zustimmte. Berghoff hatte zuvor referiert, dass Fernwärme, zu 95 Prozent regenerativ aus Hackschnitzeln erzeugt, gegenüber derzeitigen Heizölpreisen weit günstiger ist. Er wies auf den Vorteil der Kunden hin, mit einem Anschluss alle Anforderungen des Erneuerbare Wärme-Gesetzes zu erfüllen und bei einer Heizungssanierung Mehrkosten von rund 10 000 Euro einzusparen. Die für die Studie ausgewählten Gebäude – Rathaus, alter und neuer Kindergarten, Schule, Halle, Kirche, Pfarrhaus und geplantes Wohnhaus – mit einem Wärmeabsatz von 692 Megawattstunden (Mwh) pro Jahr und einer Anschlussdichte von 1,1 Mwh pro Meter Netztrasse im Jahr lägen zwar "an der unteren Grenze des wirtschaftlich Machbaren", aber noch im zuschussfähigen Bereich. Das Büro ermittelte jährliche Vollkosten für Investitionen, Betrieb und Verbrauch von 75 678 Euro. Daraus ergäben sich Wärmekosten von 109,28 Euro/Mwh, die noch 30 Prozent höher wären als in einem großen Netz wie in Elzach mit 330 Anschlüssen. Immerhin, so Berghoff, wäre dies gegenüber einer privaten Ölheizung mit 120 bis 125 Mwh immer noch günstiger. Als Gesamtinvestition, die für das kleine Oberwindener Netz vorzufinanzieren wäre, würden auf Windens Haushalt – nach Zuschüssen – aber Ausgaben von 706 686 Euro zukommen, sofern die Gemeinde selbst als Anlagenbetreiber auftreten müsste. Berghoff wie auch der Bürgermeister wiesen deshalb einhellig auf das Hauptproblem hin, das vorab zu lösen sei: Die Findung oder Gründung eines Betreibers, der die Vollkosten auch auf möglichst viele Wärmekunden verteilen könnte. Wenn die Gemeinde dies nicht selbst per Eigenbetrieb übernimmt, wäre der Idealfall eine nicht gewinnorientierte Genossenschaft, basierend auf Ehrenamtsengagement. Von der Beauftragung eines Energieversorgungsunternehmens riet Berghoff ab, da sie wegen Zuschlägen für Wagnis und Gewinn die höchsten Abnahmepreise unter den drei Alternativen zur Folge hätte.