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28. Oktober 2011

Warum das Märzen im Oktober getrunken wird

Vom Bock- bis zum Weihnachtsbier – im Laufe eines Jahres wechseln die Braumeister auch ihre Biersorten.

Selbst wenn zum Bierbrauen nur die nach dem Reinheitsgebot bekannten vier Grundprodukte verwendet werden, ist die Bandbreite der Biere groß – auch im Wandel des Jahres.

Das Bock- heißt nicht deshalb auch Starkbier, weil es sich von anderen Biersorten stark unterscheidet. Seine Name leitet sich aber aus der niedersächsischen Hansestadt Einbeck ab. Von dort wurde auch der Braumeister abgeworben, der vom frühen 17. Jahrhundert an in München das "Einpöckische Bier" herstellte. Das kam den Paulanermönchen gerade recht, denn die durften in der Fastenzeit nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Bald brauten sie ihr Bockbier selbst.

Bockbier ist reich an Kalorien; es enthält aber auch viel Alkohol: fünf bis 13 Prozent. Besonders viel Stammwürze und besonders viel Alkohol enthält das Doppelbock. Nicht zu verwechseln mit dem Bockbier ist das untergärige Märzenbier, dessen Name nichts damit zu tun hat, dass er auf die Fastenzeit verweist. Nach der bayerischen Brauordnung durfte in den Sommermonaten nicht gebraut werden – aus Brandschutzgründen. Da auch damals schon ein Sommer ohne Bier gerade in Bayern unvorstellbar war, musste das Bier haltbar gemacht werden. Das gelang, indem der Gehalt an Stammwürze und an Alkohol erhöht wurde. Außerdem lagerte man das im März gebraute Bier in Felsenkellern, die großzügig mit Natureis bestückt wurden. Die Zugänge zu den Kellern wurden mit schattenspendenden Rosskastanien bepflanzt, und Rosskastanien stehen heute noch in jedem anständigen Biergarten.

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Auch das Oktoberfestbier war ursprünglich ein Märzen: Die Reste des alten Bieres mussten getrunken werden, bevor die neue Brausaison mit ihrem frischen Bier begann. Oktoberfeste gab es darum an vielen Orten. Heute wird das Oktoberfestbier nicht mehr im März gebraut und in Felsenkellern gelagert. Es ist ein speziell gebrautes, etwas stärkeres Lager- oder Exportbier. Auch zu anderen Festen, vor allem zu Weihnachten, werden Spezialbiere verkauft. Manche Brauereien wechseln dazu nur das Etikett und bieten ihre normalen Pils- und Lagerbiere mit Weihnachtsmann und Rentieren an. Aber meist wird ein extra Bier gebraut. Es hat mehr Alkohol, schmeckt oft nach Malz, ist eher süß und ganz schön süffig. Wie generell beim Bier gibt es keine festen Regeln, auch nicht für Festbiere. Dem Bierfreund ist es recht; umso mehr hat er zum Probieren.

Autor: Niklas Arnegger