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19. Dezember 2011

Good Vibrations für die ganze Welt

Die trinationale Reggaenacht beinhaltete für die jungen Besucher immer wieder auch die Aufforderung, positive Werte zu leben.

  1. Foto: Silke Hartenstein

  2. Die Red Eyes Band aus dem Elsass mit Sänger und Frontmann Gilles Foto: Silke Hartenstein

  3. Warm Up: “Sound Generators aus dem Raum Mannheim mit Frontmann „Talisman“ (links), Frontmann Sugardaddy (rechts) verbreitet jede Menge good Vibrations und hat das junge Publikum voll im Griff. Foto: Silke Hartenstein

NEUENBURG. Griffige Rhythmen und Rhymes, positive Vibrationen und ein richtig volles Haus: Die erste trinationale Reggae Night im Jamhouse war ein voller Erfolg. Mit Bands aus drei Ländern hatte der Jugendkulturverein die diesjährige Weihnachtsrockzone zur Reggaerockzone mit dem verheißungsvollen Motto "We burn down Babylon" umgetauft. Beim jungen Publikum kam dies bestens an, friedlich und gut gelaunt genossen sie knapp vier Stunden Livemusik mit bemerkenswert kurzen Umbaupausen.

Ü-30er indes waren weit und breit nicht zu sehen. Schade eigentlich, denn die mitreißenden Reggaerhythmen aus drei Nationen konnten sich hören lassen. Insbesondere die Basler Formation "Sugardaddy & Friends with the Mighty Rockers Band" mit ihrem charismatischen Frontmann Sugardaddy (William Martin) lockte das Publikum vom Chillen im Park zum Tanzen vor die Bühne. Ihr fröhlicher, lebhafter Ska Reggae in siebenköpfiger Besetzung, akzentuiert durch Simons knackig-rasante Posaune, ging definitiv in die Beine. Zu Sugardaddys Eigenkompositionen quer durch die Reggaestyles gesellten sich ein paar wenige Covers und eine A-Capella vorgetragene Hommage an Bob Marley, zusammengefügt aus Marleys größten Hits. Dass bei diesem Gig das Jamhouse rockte, lag vor allem an der großen Bühnenpräsenz des Frontmanns. Der aus Antigua/Barbuda stammende Sänger mit der großen, packenden Soulstimme ist seit 18 Jahren in Basel mittendrin im Musikgeschäft. Er stand permanent in Verbindung mit seinem Publikum und stellte nebenher klar, dass es beim Reggae keineswegs nur um Ganja und Dreadlocks geht, sondern um "Liebe, Frieden und Harmonie" . Empathisch forderte er seine jungen Fans auf, diese positiven Werte zu leben: "You are the Generation!". Und so wogten die Zuhörer begeistert auf und nieder und ließen sich von den jamaikanischen Rhythmen mitreißen.

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Den Warm Up machte die deutsche Band Sound Generators. Die fünf jungen Musiker aus Mannheim, Heidelberg und Freiburg standen erstmals in dieser Formation auf der Bühne und sorgten mit ihren Eigenkompositionen, Improvisationen und deutschen Texten mit dem Schwerpunkt auf Freestyle für gute Laune. Obwohl dem Zusammenspiel noch ein wenig der Schliff fehlte, brachte die Band zupackenden Sound zu Sänger Talismans Rhymes: "Ihr habt den Flow und ich hab’ ihn auch, also machen wir immer weiter". Auch hier ging’s um positive Vibrationen und die Aufforderung, vom Sofa aufzustehen und aktiv zu werden für eine bessere Welt. Und als die Band zum Abschluss musikalisch "die Sonne herein" ließ, wurde sie von den Stimmen aus dem Publikum dabei kräftig unterstützt.

Dass die Red Eyes Band aus dem Elsass zum Abschluss der Reggaenacht spielte, war bedauerlich, denn der Reggae, den die neun Musiker ins Jamhouse brachten, war musikalisch der vielfältigste und interessanteste. Leider hatte sich bereits gegen Mitternacht eine gewisse Aufbruchstimmung breit gemacht. Die Band mit ihrer langjährigen Bühnenerfahrung in drei Ländern bestach durch ihren individuellen, abwechslungsreichen Stil. Hier wurden Einflüsse aus Dub, Electro, Hip Hop und Raggamuffin zu traditionellen Roots Reggae hinzugefügt und verschmolzen zum rhythmisch-melodischen Hörerlebnis mit opulentem Instrumentarium, darunter Drums, Percussion und Titi’s mit Verve gespielte Melodica. Großartig waren der dreistimmige Gesang von Leadsänger Gilles und den orientalisch anmutenden Stimmen der beiden Backgroundsängerinnen, zwei Schwestern, die auch zwischendurch immer wieder mit ihren hellen, expressiven Gesangseinlagen bemerkenswerte Akzente setzten. Und angesichts der stattlichen Zahl von Besuchern wird es wohl nicht die letzte große Reggaenacht im Jamhouse bleiben.

Autor: Silke Hartenstein