Illegale Altkleidercontainer: Die Spur führt nach Hessen

Andrea Drescher

Von Andrea Drescher

Fr, 31. Mai 2013

Neuenburg

Ohne Genehmigung steht ein Altkleidercontainer auf dem Penny-Markt-Grundstück in Neuenburg.

NEUENBURG AM RHEIN. Kleider und Schuhe liegen auf dem Gehweg, teils in Tüten, teils offen: Ein Altkleidercontainer, der ohne Absprache mit dem Grundstückseigentümer auf dem Areal des Neuenburger Penny-Markts abgestellt wurde, quillt über. Das liegt auch daran, dass der Besitzer der Fläche direkt an der Max-Schweinlin-Straße schon vor einiger Zeit einen Bauzaun aufgestellt hat, um den Zugang zum Container zu erschweren. Das hindert offenbar niemanden daran, sich dort trotzdem seiner Altkleider zu entledigen, und sei es davor auf dem Boden.

Hilfe erwarten kann der Grundstückseigentümer weder bei der Polizei noch bei der Neuenburger Stadtverwaltung. Gegen den Container-Absteller vorzugehen, sei eine zivilrechtliche Angelegenheit, sagt der Müllheimer Polizeisprecher Daniel Haas, der das Problem auch aus anderen Kommunen im Zuständigkeitsbereich des Müllheimer Reviers kennt. Und die Stadt Neuenburg ist nicht zuständig, weil die beigefarbene Altkleiderbox nicht auf öffentlichem Grund geparkt wurde, wie aus dem Rathaus zu erfahren ist.

Selbst aktiv zu werden, ist für den betroffenen Grundstückseigentümer allerdings auch nicht einfach, denn der Container verrät nicht, wem er gehört. Zwar sieht der sperrige Kasten aus wie viele andere des Deutschen Roten Kreuzes, der Malteser und Johanniter. Doch trägt er weder ein Logo einer Hilfsorganisation noch Namen oder Adresse.

Etliche Medienberichte über diese offenbar bundesweit ohne Genehmigungen platzierten Altkleidercontainer führen indes auf eine Spur nach Hessen. Der verräterische Hinweis ist ein Aufkleber, der auch auf dem Neuenburger Exemplar 2500 Euro Belohnung verspricht: Darauf ist zu lesen, dass seit einiger Zeit solche Container gestohlen würden und die Fahrzeuge der berechtigten Firma MR-Kennzeichen trügen – MR steht für Marburg-Biedenkopf. "Sollte Ihnen aufgefallen sein, dass andere Fahrzeuge unsere Container leeren oder sogar mitnehmen, rufen Sie uns bitte umgehend an oder melden Sie den Diebstahl direkt bei der örtlichen Polizei", heißt es auf dem Container. Eine Telefonnummer, an die man sich im Fall der Fälle wenden könnte, wird aber gar nicht genannt.

Wozu auch: Die Recherche ergab, dass auf manchen dieser Container zwar eine Telefonnummer genannt wird und die zur Bicker GmbH in Marburg gehört. Allerdings springt dort, wenn es nicht einfach durchklingelt, nur ein Anrufbeantworter an. Der aufs Band gesprochene Rückrufwunsch der BZ wurde nicht erfüllt, was aber auch nicht weiter überrascht, denn den Medienberichten zufolge haben schon viele andere Journalisten vergeblich versucht, bei der Marburger Firma zu einem Ansprechpartner vorzudringen.

Das Geschäft mit Altkleidern muss sich jedenfalls rentieren. Im vergangenen Jahr sind quasi über Nacht etliche Container einer sogenannten Babynotfallhilfe in Freiburg ohne Genehmigung der Stadt aus dem Boden geschossen. Geleert wurden diese Altkleiderboxen, die einem Verein mit Sitz in Trier gehörten, von Fahrzeugen mit dem Kennzeichen KB für Korbach: Auch die Stadt liegt in Hessen.

Für die Hilfsorganisationen, die in ihren Containern gesammelte Altkleider nicht nur an Bedürftige vermitteln, sondern größtenteils weiterverkaufen, um an deren Verwertung zu verdienen, sind die anonymen Textiliensammler dreiste Konkurrenz. Schon Ende vergangenen Jahres hat deshalb das Deutsche Rote Kreuz in Müllheim in einer Pressemitteilung auf die im DRK-Kreisgebiet aufgetauchten Container kommerzieller Sammler hingewiesen und die Bürger darum gebeten, auf die Logos zu achten, da nicht alle Altkleidercontainer Wohltätigkeitsorganisationen wie dem DRK gehörten.

Das DRK hat nach Angaben der Geschäftsführung 44 Kleidercontainer im Bezirk des Müllheimer Kreisverbands aufgestellt. Über sie werden jährlich rund 230 Tonnen Altkleider gesammelt. Nicht alle, so informiert das DRK, würden in der eigenen Kleiderkammer abgesetzt, da hier seit Sommer 2012 die allgemeine Nachfrage etwas zurückgegangen sei. Auf Grund dessen werde der überwiegende Teil der Textilien an eine Verwertungsfirma in Baden-Württemberg verkauft. Der Erlös fließe in die humanitäre Arbeit des DRK-Kreisverbands. Der rät deshalb weiterhin darauf zu achten, dass die genützten Kleidercontainer ein Logo der Wohlfahrtsverbände tragen. Nur so sei gewährleistet, "dass ihre Kleiderspende auch der örtlichen Region wieder zugutekommt".