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16. Dezember 2011 07:06 Uhr

Unwetterwarnung

Orkantief "Joachim" fegt über Südbaden

Entwurzelte Bäume, gesperrte Straßen: Orkantief "Joachim" fegt derzeit über Südbaden. Auf dem Feldberg erreichte er mehr als 150 Stundenkilometer, bei Herbolzheim wurde ein Laster von einer Böe erfasst und umgeworfen.

Wind, Schnee und Wassermassen: Windböen mit bis zu 156 Stundenkilometern warfen viele Bäume um und verursachten mehrere Unfälle. Bäume wurden entwurzelt und blockierten Bahnstrecken und Straßen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Erdrutschen, Überschwemmungen von Straßen und Schneefällen. Im Südwesten des Schwarzwaldes sei mit Regenfällen von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter zu rechnen. (Fotos).

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Landkreis Emmendingen

Im Landkreis Emmendingen ist auf der Landstraße 111 zwischen Rheinhausen und Herbolzheim ein Lastwagen mit Anhänger auf offener Streckevon einer Windböe erfasst worden. Er stürzte um und landete in einem Acker neben der Fahrbahn. Der Fahrer blieb unverletzt. Nach Auskunft der Spedition wird der Laster wohl erst am Samstagmorgen mit einem Kran geborgen – wenn sich der Wind etwas beruhigt hat.

In Emmendingen blieben wegen des Sturms die Buden des Weihnachtsmarkts sicherheitshalber geschlossen. "Wenn nur einem Besucher etwas passiert, ist die Aufregung groß", so Marktmeister Lothar Winterle. Ansonsten hielten sich im Kreis Emmendingen am Morgen die Schäden in Grenzen: Zwischen Emmendingen und Freiamt blockierte ein umgestürzter Baum vorübergehend die Fahrbahn. Das Gleiche geschah auf der B 294 im Bereich Elzach sowie zwischen Maleck und Emmendingen. Beide Straßen waren gegen 15.25 Uhr wieder frei.

Ein schief gedrückter Strommast östlich der Endinger Altstadt bescherte Teilen der Altstadt laut Feuerwehrkommandant Christian Burkhard vorübergehenden Stromausfall. Auf dem Gelände des Kindergartens Maria Quell stürzten zwei Birken um und blockierten zeitweilig die Marienstraße. Am Endinger Hauserplatz wurde der Baum nach Schäden am Fundament vorsorglich entfernt.

Die Landstraße 186 von Waldkirch über den Kandel war von 5.45 Uhr an unpassierbar. Zwei Bäume waren umgestürzt und mussten von der Straßenmeisterei zersägt und von der Fahrbahn geräumt werden. Die Straße blieb auch am Nachmittag noch gesperrt.

Schäden am Dach der Kenzinger Stadtkirche konnten zunächst nicht repariert werden. Man warte auf ein Abflauen der Böen, so Kenzingens Gesamtwehrkommandant Karl Weiß. Sowohl in Endingen, als auch in Kenzingen und Rheinhausen gab es laut Roland Schmucker von der Integrierten Leitstelle in Emmendingen kleinere Einsätze wegen wegfliegender Dinge an Häusern – Ziegel oder Teile des Verputzes.

Für Einsätze sorgten auch Weihnachtsbäume. Der stattliche Baum vor dem Bahlinger Rathaus wurde vom Sturm ebenso umgeworfen wie der Baum in Amoltern.

Kreis Waldshut

Im Kreis Waldshut mussten sich viele Lastwagenfahrer auf der B500 bereits durch den Schnee kämpfen, der in der Nacht gefallen war. Starke Niederschläge ließen die Bäche über die Ufer treten, die Kanalisation wurde verstopft und das Wasser floss über die Straßen. Betroffen waren der Polizei zufolge die L 157 zwischen Gurtweil und Witznau, die L 159 zwischen Waldshut-Tiengen und Detzeln und ein Gemeindeverbindungsweg von der B 314 nach Hallau/CH.

Innerhalb weniger Stunden stieg in St. Blasien der Pegel der Alb um mehr als einen ganzen Meter. Von Feierabend war für die St. Blasier Feuerwehr deshalb keine Rede. Alle verfügbaren Helfer waren im Einsatz, um die überflutete Landesstraße 149 zu sichern, umgestürzte Bäume aus dem Weg zu räumen Keller auszupumpen und Sandsäcke zu verteilen.

In Bonndorf-Boll trat ein Bach über die Ufer und in der Schaffhauser Straße in Bonndorf drückte das Wasser aus einem Berg in ein angrenzendes Haus. Höher als als zehn Zentimeter stand dort das Wasser im Keller und am Haus entlang floss ein "enormer Wasserfall die Treppe hinunter und auf die Bundesstraße", sagte ein Feuerwehrmann.

Umgestürzte Bäume lagen auf der B 500 zwischen Häusern und Blasiwald, auf der L 152 zwischen Rippolingen und Wieladingen, auf der L 157 zwischen Witznau und Riedersteg, auf der K 6587 zwischen Bad Säckingen und Egg und auf der K 6541 zwischen Murg und Harpolingen. Es kam zu Behinderungen, größere Schäden oder witterungsbedingte Unfälle wurden der Polizei bislang aber nicht gemeldet.

Freiburg

Vom Wind regelrecht vom Rad geweht wurde in der Kaiser-Joseph-Straße in Freiburg eine 54 Jahre alte Radfahrerin. Vermutlich wurde sie durch eine Sturmböe umgeweht. Bei dem Unfall verletze sich die Frau am Kopf.

Seit Donnerstagnachmittag, 15.30 Uhr, steht die Freiburger Schauinslandbahn still. Ansonsten gab es in Freiburg nur einige kleinere Einsätze. Es wurden etliche umgerissene Bäume gemeldet, die Autos oder Gebäude beschädigten.

Der Freiburger Förster Hans Burgbacher hielt Wanderer und Spaziergänger auf Distanz. "Viele Bäume sind durch den Sturm instabil." Waldspaziergänge seien deshalb zu gefährlich.

Breisgau-Hochschwarzwald

Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mussten vor allem einige Autofahrer längere Wartezeiten in Kauf nehmen, weil umgestürzte Bäume die Fahrbahn blockierten. Auf der Kreisstraße bei Auggen war dies ebenfalls der Fall wie in Horben, wo gleich zwei Baumstämme – einmal auf der Kreisstraße zwischen Talstation und Ortsteil Langackern und einmal auf der Landstraße 124 beim Friedrichshof – quer lagen. Die hinzugezogene Feuerwehr konnte die Behinderungen aber schnell beseitigen.

Im Südlichen Breisgau zeigte sich Sturmtief "Joachim" zunächst relativ pflegeleicht. Ein Baum, der in der Staufener Straße in Bad Krozingen auf einen Laster gefallen war, war bis zum späten Freitagnachmittag die größte Herausforderung für die Feuerwehr. Aufgrund der starken Regenfälle füllte sich der Neumagen in Windeseile und trat im Bereich der Nepomukbrücke über die Ufer.

"Alles im grünen Bereich – keine Einsätze", hieß es aus Staufen. Ähnlich entspannt die Lage im Münstertal. Nur die Seilbahn auf den Belchen musste laut einer Meldung auf der Homepage wegen der starken Sturmböen ihren Betrieb einstellen.

20 Einsätze zur Beseitigung umgestürzter Bäume oder zum Abpumpen vollgelaufener Keller verzeichnete die Feuerwehr am Freitagabend in ihrer vorläufigen Bilanz für den Hochschwarzwald, als sich Orkan Joachim zu legen begann. Die Führungsgruppe verfolgte vom Gerätehaus in Neustadt aus die Lage und koordinierte die Einsätze. Verletzte oder Sachschäden waren nicht zu beklagen. Die B 315 war zeitweise gesperrt, weil das Risiko zu groß schien, dass Bäume auf die Straße fallen.

Auf der B31 zwischen Titisee-Neustadt und Löffingen blieben mehrere Lastwagen im Schnee hängen. Ein Transporter fuhr in eine Leitplanke. Am Feldberg standen die Skilifte still, auf die Pisten durfte niemand. Sogar der 50 Meter hohe Feldbergtum wackelte. In der Wetterwarte auf dem Gipfel schlugen die Zeiger der Messinstrumente aus. "Wir haben Windgeschwindigkeiten von bis zu 156 Kilometer pro Stunde", meldete Wetterbeobachter Günter Diez.

Im Schneetreiben hatten zwei Wanderer am Feldberg die Orientierung verloren. Sie mussten in dichtem Schneetreiben von der Bergwacht gerettet werden.

Ortenau und Elsaß

Im Ortenaukreis standen seit etwa 6 Uhr die Telefone der Einsatzzentralen bei Polizei und Feuerwehr nicht mehr still. Wegen des schweren Sturmes bleiben die Buden dasWeihnachtsdorf in Lahr auf dem Schlossplatz vorsichtshalber geschlossen. Wie die Polizei in der Ortenau meldete, blockierten im Kreis mehrere umgestürzte Bäume die Fahrbahn. Die Oppenauer Steige musste gegen 8 Uhr komplett gesperrt werden. Dort hatte der Sturm einen Baum umgefegt, der in eine Oberleitung stürzte und sich entzündete.

Zwischen Hesselhurst und Eckartsweier hielt ein Strommast den Orkanböen nicht stand und knickte um. Auf der B3 bei Mahlberg und in der Unterführung der Offenburger Platanenallee riss der Sturm Verkehrsschilder aus der Verankerung. In Önsbach hat der Sturm ein 1,5 mal 2 Meter großes Wellblechdach abgedeckt. Personenschäden wurden der Polizei bislang nicht gemeldet.

Auf der B 28 zwischen Griesbach und Alexanderschanze stürzte eine größere Fichte auf einen Lastwagen. Glücklicherweise wurde hier, wie auch bei allen anderen sturmbedingten Schäden, laut Polizei niemand verletzt. Eine Frau erlitt allerdings einen leichten Schock, als sie sah, wie ihr Wagen von einem umfallenden Baum getroffen wurde. Besser verkraftete eine Autofahrerin diesen Schreck, als sie am Schönberg bei Prinzbach mit ihrem Wagen ebenfalls unter einen umstürzenden Baum geriet.

In Offenburg fuhr eine Sturmböe in das mit dem Mauerwerk verwachsene Efeu eines Kamins und warf diesen auf ein geparktes Auto. Dach, Windschutzscheibe und Motorhaube wurden eingedrückt. Auf dem Offenburger Weihnachtsmarkt hielten viele Beschicker ihre Buden bis zum späten Nachmittag geschlossen.

Ebenfalls dicht blieben die Weihnachtsmärkte in Straßburg und Mulhouse, wie "L’Alsace" berichtete.

Schwarzwald-Baar-Kreis und Karlsruhe

Im Schwarzwald-Baar-Kreis bei Dauchingen prallte am Freitagmorgen ein Nahverkehrszug gegen einen auf den Schienen liegenden Baum; verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand. In Furtwangen blieben zwei Schulen vorsichtshalber geschlossen.

"Nach der Orkanwarnung des Deutschen Wetterdienstes erschien uns das Gefährdungspotenzial für unsere Schüler zu groß, da viele von weit her kommen", sagte der Leiter der Robert-Gerwig-Schule, Rainer Eberlei. In und um Karlsruhe war die Polizei wegen des Sturms bis zum Mittag knapp 40-mal im Einsatz. In Karlsruhe wurde ein Mann von einem durch die Luft wirbelnden Regenschirm verletzt; der Passant kam ins Krankenhaus. Einen Schutzengel hatte ein siebenjähriges Mädchen, das auf dem Weg zur Grundschule in Karlsruhe von einem entwurzelten Baum gestreift wurde. Wie die Polizei berichtete, kam die Kleine mit einem gehörigen Schrecken davon. Vorsorglich geschlossen bleibt auch der Karlsruher Zoo ebenso wie die Weihnachtsmärkte in Karlsruhe, in Friedrichshafen am Bodensee und Rastatt.

Schweiz und Basel

In der Schweiz entgleiste durch den Sturm ein Zug. Bei dem Unfall im Nordwesten des Landes wurden nach Angaben der Polizei drei Menschen leicht verletzt, darunter der Lokführer. Der Zug kam demnach in einem Wald zwischen den Gemeinden Tavannes und Tramelan von den Gleisen ab. Über die Region waren nach Angaben der Schweizer Wetterbehörde Meteosuisse in der Nacht heftige Winde mit Spitzengeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern hinweggefegt.

Bei der Einsatzzentrale der Polizei Basel-Land gingen seit 4.30 Uhr Dutzende Meldungen ein. Beinahe sämtliche Feuerwehren im Kanton sind im Einsatz, meldete die Polizei am Freitagmittag. In einigen Gemeinden wurden umgestürzte Bäume oder abgerissene Äste auf den Straßen gemeldet. In mehreren Ortschaften – vorwiegend im Oberbaselbiet sowie im Laufental – wurden Dächer abgedeckt. In einigen Gemeinden riss der Sturm Stromleitungen zu Boden, einige Haushalte waren noch gegen 11.40 Uhr von der Stromversorgung abgeschnitten. Personen wurden bislang keine verletzt. Aus Sicherheitsgründen schloss der Basler Tierpark Lange Erlen ganztags seine Tore.

Wie die NZZ berichtet, mussten in Zürich bis zum Freitagmittag mehr als 67 Flüge der Swiss annulliert werden. Bis am Nachmittag um 15 Uhr werde kein Flugzeug der Swiss starten, sagt Swiss-Mediensprecher Jean Claude Donzel NZZ Online. Nicht abheben werden am Freitag zudem die Skispringer in Engelberg. Die Qualifikation ist wegen zu starker Winde abgesagt worden.



Kaltfront folgt Joachim

Wenn sich der Sturm im Laufe des Tages gelegt hat, soll eine Kaltfront mit Graupel- und Schneeschauern über die Region hereinbrechen. Diese Kaltfront ist auch der Grund für die schweren Orkanböen. "Wir haben da einen großen Temperaturunterschied zwischen der Polarluft im Norden und warmer Luft im Süden", erklärt Wetterexperte Meteorologe Werner Brockhaus aus Horben die Entstehung solcher Böen. An der Schnittstelle der beiden Wetterlagen komme es dann zu Verwirbelungen und Sturmböen.

HINWEIS AUF MÖGLICHE GEFAHREN: Vereinzelt können Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Achten Sie auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände. Sichern Sie Gegenstände im Freien! Halten Sie Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen! Vermeiden Sie möglichst den Aufenthalt im Freien!

Auf Fahrten im Schwarzwald sollte, wenn möglich verzichtet werden. Durch den Dauerregen können Bächen und kleineren Flüssen über die Ufer treten. Auch Überflutungen von Straßen und Erdrutsche sind möglich.

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Autor: sill, ohu, kbl, pes, msr, hub, goll, rö, litt, dpa, AFP aktualisiert um 19.03 Uhr